Im Interview monierte Genscher, dass sich die FDP in der öffentlichen Wahrnehmung zu sehr auf das Thema Steuersenkungen eingeengt habe. "Das war sicher ein Fehler". Vielmehr müsse sich die Partei auf ihre Kernkompetenzen Soziale Marktwirtschaft, Bildungspolitik, Rechtsstaat und die Umweltpolitik besinnen.
Die momentanen Umfragewerte begründete Genscher unter anderem mit der Wechselbereitschaft der Wähler, die sehr viel stärker als früher ausgeprägt sei. Damit habe die FDP noch mehr zu kämpfen "als die dezimierten Traditionskompanien, die sich immer noch Volksparteien nennen". In der Wechselbereitschaft der Wähler sieht Genscher sowohl Problem als auch Chance für die Liberalen. Wie schnell das Pendel umschlagen könne, hätten zuletzt die Grünen in Hamburg erfahren, wo ihre Schulpolitik durch einen Volksentscheid verworfen wurde.
In FDP-Parteichef und Außenminister Guido Westerwelle setzt der ehemalige Außenminister nach wie vor großes Vertrauen. Westerwelle könne ohne Weiteres die Ämter Parteichef und Vizekanzler vereinen. Als Außenminister mache er eine gute Figur: "Man sieht doch, wie er sich Sachgebiet für Sachgebiet erschließt."
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