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  • FDP | Das aktuelle Interview

    Interessen des Mittelstands im Ausland tatkräftig vertreten

    Containerschiff - Mittelstand unterstützen (06.09.2010) (update) Bei der Botschafterkonferenz im Auswärtigen Amt empfängt Außenminister Guido Westerwelle in diesen Tagen rund 200 Leiter der deutschen Auslandsvertretungen. Als Direktive gibt er ihnen mit, Frieden und Abrüstung in die Welt zu tragen. Sein Ministerium verstehe sich im Wirtschaftsbereich aber auch "als Türöffner für deutsche Unternehmen, und zwar nicht klammheimlich, sondern offensiv", betonte Westerwelle im Vorfeld.
Im Mittelpunkt der 9. Botschafterkonferenz , die vom 6. bis 9. September im Auswärtigen Amt stattfindet, stehen die Beziehungen zu Lateinamerika und der Karibik. Zwei Leitlinien will Westerwelle den Botschaftern besonders ans Herz legen: Zum einen soll "das weltweite Engagement unserer Diplomaten immer auch unter der Überschrift Frieden, Abrüstung und Nichtverbreitung von Atomwaffen stehen." Darin liege eine "Menschheitsaufgabe". Dieses Ziel erreiche man aber nur im Bündnis mit anderen. Deutschland habe seinen Beitrag zur erfolgreichen Nichtverbreitungskonferenz in New York ebenso geleistet wie zur jüngsten Sanktionsrunde gegen Iran, erläuterte Westerwelle im Interview mit der ''Welt am Sonntag''.

In einem Beitrag für das ''Wall Street Journal'' schrieb Westerwelle gemeinsam mit seinem japanischen Amtskollegen Katsuya Okada über die moralische Herausforderung einer nuklearwaffenfreien Welt.

Die zweite Leitlinie sieht Westerwelle in der Ausgestaltung der künftigen Rolle Europas als "Friedens- und Freiheitsunion, die nicht scheitern darf". Deswegen habe man sich auch so intensiv um den Schutz des Euro gekümmert, "auch wenn dies innenpolitisch unpopulär war". Westerwelle sieht es im Interesse Deutschlands, gerade auch den kleineren und mittleren Ländern auf Augenhöhe gegenüber zu treten. Der Vertrag von Lissabon mache es notwendig, die kleineren Staaten für seine Anliegen zu gewinnen.

Der Mittelstand benötigt Unterstützung der Außenwirtschaftsförderung

Guido Westerwelle beim Tag der offenen Tür im Auswärtigen Amt
Guido Westerwelle beim Tag der offenen Tür im Auswärtigen Amt
Im Vorfeld der Botschafterkonferenz hatte sich Westerwelle in der "Passauer Neuen Presse" für eine offensive Handelspolitik ausgesprochen. "Die deutsche Außenpolitik ist nicht nur werteorientiert, sondern auch interessensgeleitet", sagte Westerwelle. Das Auswärtige Amt mit seinen Auslandsvertretungen verstehe sich im Wirtschaftsbereich "als Türöffner für deutsche Unternehmen, und zwar nicht klammheimlich, sondern offensiv". "Die meisten EU-Mitglieder tun dies auch", erläuterte Westerwelle

Diese Hilfe außerhalb Deutschlands versteht der Minister als Teil der Mittelstandspolitik, für die die Bundesregierung stehe. "Große Unternehmen können sich mit Auslandsbüros ferne Märkte öffnen", so Westerwelle. "Die vielen kleinen mittelständischen Unternehmen benötigen die professionelle Unterstützung unser Außenwirtschaftsförderung. Das ist ein wichtiger Teil meiner Außenpolitik, und zwar nicht mit spitzen Fingern, sondern ganz bewusst."

Nahost: Wir müssen die moderaten Kräfte stärken

Mit Blick auf die neuen Nahost-Verhandlungen zeigt sich Westerwelle im Interview mit der "Welt am Sonntag" vorsichtig optimistisch. Die Gespräche fänden unter sehr schwierigen Umständen statt, deshalb sei schon allein ihr Beginn ein Erfolg. Der Außenminister bedauert, dass viele das Gelingen des Prozesses mit Gewalt verhindern wollten. Darum gelte es, die moderaten Kräfte zu stärken.

Bei der Diskussion um die Bundeswehrreform will Westerwelle darauf achten, "dass wir unsere internationalen Verpflichtungen in vollem Umfang erfüllen können. An unserer Bündnisfähigkeit darf kein Zweifel entstehen. Die Bundeswehr muss auch in Zukunft den sicherheitspolitischen Herausforderungen gerecht werden, vor denen unser Land steht. Das ist allerdings nicht allein eine Frage der Größe, sondern auch von effizienten, modernen Strukturen." Die Liberalen setzten sich seit Jahren für eine Aussetzung der Wehrpflicht ein, die jetzt in der Union diskutiert werde, bekräftigt Westerwelle.

Bildung, nicht Biologismus ist Schlüsselfrage der Integrationsdebatte

Fehlentwicklungen bei der Integration will Westerwelle mit verpflichtenden Bildungsangeboten entgegentreten. Die Debatte um die Treffsicherheit des Sozialstaats habe auch zu den jetzigen Schritten geführt, um die Bildungschancen für Kinder aus Hartz-IV-Familien zu verbessern. In der Bildung und dem Erlernen der deutschen Sprache sieht Westerwelle auch die Schlüsselfragen der gesamten Integrationsdebatte. Mit der "Einführung eines Biologismus in die politische Diskussion", wie es Thilo Sarrazin getan habe, werde aber eine "rote Linie" überschritten, stellte Westerwelle klar. Dem habe die Regierung entschieden entgegentreten müssen. "Als Außenminister denke ich auch an unser internationales Ansehen", so der Liberale. MEHR ZUM THEMA:

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