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    Konjunktur und Arbeitsmarkt beflügeln sich gegenseitig

    Erholung am Arbeitsmarkt geht weiter - vor allem im Dienstleistungssektor. (30.07.2010) Die Erholung am Arbeitsmarkt geht weiter. Im Juli 2010 waren mit 3,19 Millionen rund 271.000 Menschen weniger ohne Arbeit als im Vorjahr. „Konjunkturelle Erholung und bessere Lage am Arbeitsmarkt beflügeln sich gegenseitig", freut sich Wirtschaftsminister Rainer Brüderle. Er ist zuversichtlich, dass zum Jahresende sogar die Drei-Millionen-Marke unterschritten werden kann. In Zukunft könnte eher der Fachkräftemangel zum Problem werden, so Brüderle.
Die heute vorgelegten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit verzeichnen zwar einen leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit im Juli, dieser ist aber auf saisonale Einflüsse zurückzuführen. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland um gut 271.000 Menschen gestiegen. Insgesamt sind derzeit 3,19 Millionen Deutsche ohne Arbeit. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 7,5 Prozent.

Rainer Brüderle
Rainer Brüderle
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) schließt nicht aus, dass über kurz oder lang sogar wieder Vollbeschäftigung erreicht werden könnte. Schon in diesem Jahr hofft der Liberale auf unter drei Millionen Arbeitslose. Das würde einer Quote von etwa sieben Prozent entsprechen. Von Vollbeschäftigung spricht man in Deutschland bei einer Arbeitslosenquote von unter vier Prozent. „Wenn der Trend anhält, und dafür gibt es einige Indizien, halte ich mittelfristig eine Arbeitslosenquote von vier Prozent für Deutschland durchaus für erreichbar“, sagte Brüderle im „Handelsblatt“. „In manchen Regionen haben wir quasi schon Vollbeschäftigung.“

Eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung untermauert den Optimismus des Wirtschaftsministers. Nach den Berechnungen der Experten wird es in den kommenden zehn Jahren rund 2,5 Millionen neue Stellen in Deutschland geben – trotz der anhaltenden Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland. Ein Großteil dieser Jobs werde im Dienstleistungssektor entstehen, so die Wissenschaftler.

Johannes Vogel
Johannes Vogel
Auch die Daten des Statistischen Bundesamts zeigen, wie stark sich der Arbeitsmarkt in den vergangenen Monaten bereits erholt hat. Mit rund 40,3 Millionen Erwerbstätigen waren im Juni 2010 so viele Deutsche in Arbeit wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Der geringfügige Rückgang im Monat Juli stellt damit nur einen leichten Knick im Aufwärtstrend am Arbeitsmarkt dar.

„Die Unternehmen vertrauen wieder in den Aufschwung und schaffen deshalb Arbeitsplätze“, ist sich auch FDP-Arbeitsmarktexperte Johannes Vogel sicher. Dieser Trend werde unterstützt durch den „klaren ordnungspolitischen Kurs“ Brüderles. „Ziel bleibt es, die Arbeitslosigkeit nachhaltig abzubauen und unter die Grenze von drei Millionen zu senken“, so der Liberale.

Initiative gegen Fachkräftemangel


Nach Ansicht Brüderles wird in Zukunft nicht der Mangel an Stellen die größte Herausforderung an die deutsche Wirtschaft darstellen, sondern im Gegenteil die zu geringe Zahl qualifizierter Arbeitskräfte. „Der Fachkräftemangel wird in den nächsten Jahren zum Schlüsselproblem für den deutschen Arbeitsmarkt und nicht die Arbeitslosigkeit“, sagte er dem „Handelsblatt“. Je länger der Aufschwung in Deutschland anhalte, desto mehr werde sich das Problem verschärfen.

Deutschland braucht Fachkräfte aus dem Ausland
Deutschland braucht Fachkräfte aus dem Ausland
Der Wirtschaftsminister plant daher eine Fachkräfte-Initiative, um qualifizierte Köpfe aus dem Ausland anzuwerben. „Das Thema, wie Deutschland für ausländische Facharbeiter endlich attraktiv wird, steht ganz oben auf meiner Agenda“, so Brüderle.

So müsse man etwa darüber nachdenken, die Einkommensschwellen für Einwanderer zu senken. Auch durch Begrüßungsgelder könne die Wirtschaft Fachkräfte anwerben, regte der Minister an. „Es ist denkbar, dass einige Unternehmen, die es sich leisten können und dringenden Bedarf haben, ausländischen Facharbeitern eine Lockprämie zahlen.“ Steuergelder dürften jedoch hierfür keine aufgewendet werden, stellte Brüderle klar.

Wolff: Wir sind auf qualifizierte Zuwanderung von Fachkräften angewiesen


FDP-Innenexperte Hartfrid Wolff unterstützt die Initiative des Wirtschaftsministers. Deutschland sei längst ein Einwanderungs- und Integrationsland und werde es auch bleiben. „Gesellschaftlich wie ökonomisch sind wir auf qualifizierte Zuwanderung von Fachkräften angewiesen“, so Wolff. Diese müsse nach transparenten, gewichteten Kriterien gesteuert werden. Nur so könne Deutschland seinen wirtschaftlichen Standard halten und Wachstum schaffen. „Konservative Abschottungspolitik ist von gestern.“

Hartfrid Wolff
Hartfrid Wolff
Gerade angesichts der starken Exportorientierung der deutschen Wirtschaft könne eine moderne Zuwanderungssteuerung vielen Unternehmen helfen, den Aufschwung zugunsten von mehr Arbeitsplätzen nachhaltig zu nutzen. „Forschung und Entwicklung macht nicht vor Grenzen halt. Der Arbeitsmarkt für Fachkräfte ist längst international.“

Es gelte daher, ideologische Hürden zu beseitigen und das Zuwanderungsrecht weiterzuentwickeln, fordert der Liberale. „Der alte Gedanke, dass das Ausländerrecht vor allem Gefahrenabwehrrecht sei, ist von gestern und gehört in die Mottenkiste.“ MEHR ZUM THEMA:

Kommentare

Facharbeitermangel

In Deutschland gibt es gut ausgebildete Facharbeiter, nur hat die ganze Sache einen Haken, entweder sind die nach Ihrer Ausbildung zu jung und müssen sich mit Zeitarbeitsverträgen rumärgern und wandern dann einfach ab oder und so geht es mir leider - zu alt 55 Jahre gut ausgebildet aber falle durch alle Raster die da lauten unter 40 dann vielleicht noch und so haben wir einen Facharbeitermangel den man ganz einfach lösen könnte. Man sollte sich mal überlegen die Agentur für Arbeit abzuschaffen, das ist eine durchreiche von Adressen an Zeitarbeitsfirmen und hier greift dann der Minilohn.
Von: Lisa Reschke | 30.07.2010 - 12:46

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