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    Schulz und Höferlin planen LAN-Party für Abgeordnete

    Jimmy Schulz, Dorothee Bär und Manuel Höferlin

    (24.08.2010) Der Deutsche Bundestag wird zum Spieleparadies: Die Liberalen Jimmy Schulz und Manuel Höferlin wollen gemeinsam mit der CSU-Abgeordneten Dorothee Bär eine LAN-Party für das Plenum initiieren. Es gehe darum, die Diskussion um Computerspiele als Ursache für Gewalttaten und als Risikoträger zu versachlichen und Berührungsängste abzubauen, erklärte Schulz. „Wie jedes Spiel, das Kinder spielen, bringen auch Computerspiele Vorteile“, so Höferlin.

Wo sonst die 622 Abgeordneten ihre Notizzettel in der Hand halten, werden sie im Herbst zur Konsole greifen: Im Deutschen Bundestag soll erstmalig eine LAN-Party stattfinden, bei der sich Computerspieler lokal miteinander vernetzen. Die Veranstaltung soll dazu beitragen „mehr Modernität“ und „etwas mehr Verständnis für das Thema“ in den Plenarsaal zu bringen, sagte FDP-Internetexperte Jimmy Schulz, der gemeinsam mit seinem Parteikollegen Manuel Höferlin und Mit-Initiatorin Dorothee Bär das Konzept am Montag präsentierte.

Im „c-base“, der „Raumstation unter Berlin“, wie sich der Szenetreff von Freifunkern, Hackern und sonstigen Netzinteressierten nennt, erläuterten die drei Politiker die Idee hinter dem Spiele-Event. „Auslöser waren verschiedene politische Gespräche über Computerspiele“, sagte Schulz, „immer dann, wenn zum Beispiel ein Amoklauf in einer Schule stattfindet oder Jugendliche über die Stränge schlagen, wollen einige Computerspiele, die gewaltverherrlichenden Spiele, als Ursache dafür heranziehen“. Doch der Obmann der FDP-Fraktion in der Enquête-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ wolle „emotionsfrei die Diskussion beginnen“.

Computerspiele differenzierter betrachten

Deshalb hätten die jungen Medienpolitiker der schwarz-gelben Koalition auch bewusst die Politiker zur LAN-Party eingeladen, „die bisher eher über eine undifferenzierte Betrachtungsweise und Herangehensweise an das Thema aufgefallen sind“, so Schulz. Auch sollen Abgeordnete, die in ihrem Leben vielleicht noch nicht den Kontakt zu Computerspielen gefunden haben, die Chance bekommen, einen Zugang zum Thema zu finden.

Dazu wird im Spätherbst ein Parcour von mehreren Spielen aller Genres im Bundestag aufgestellt, die von den Politikern ausprobiert werden können. Neben Sport- und Denkspielen werden auch die gewalttätigeren „Ego-Shooters“ zur Verfügung stehen. Als spielerischer Anreiz sollen die Fraktionen beim Spielen gegeneinander antreten. „Das könnte besonders spaßig sein“, kommentierte Schulz.

Um die Organisation der notwendigen Technik und die Durchführung wird sich der Bundesverband Interaktive Unterhaltung und Turtle Entertainment kümmern, die sonst die Electronic Sports League - eine der größten europäischen Ligen für professionelles Computerspielen - ausrichten. Begleitet wird die Veranstaltung ebenso von der Bundeszentrale für politische Bildung, professionellen Spielern und Medienpädagogen sowie der Suchtbeauftragten der Bundesregierung Mechthild Dyckmans (FDP). Denn Aspekte wie Spielesucht und Gewaltverherrlichung lasse man „nicht unter den Tisch fallen“, sagte Schulz.

Jugendkultur durch Hands-On erfahrbar machen

„Es geht darum die Diskussion zu versachlichen und gerade den Abgeordneten, die mit Vorurteilen belastet sind, durch Hands-On eine eigene Betrachtungsweise des Themas zu ermöglichen und auch Berührungsängste abzubauen“, bekräftigte Schulz, der selbst einst über den Acht-Bit-Heimcomputer C64 zu den neuen Medien fand. Höferlin, ein „leidenschaftlicher Flugsimulant“, betonte, dass nicht nur die negativen Seiten von PC-Spielen betrachtet werden dürften. „Wie jedes Spiel, das Kinder spielen, bringen auch Computerspiele Vorteile und wie jedes Spiel, das Kinder spielen, gab es auch schon in der Vergangenheit immer wieder Risiken, ob das beim Fußballspielen ist, wo man sich verletzen kann, oder beim Fahrradfahren, wo man stürzt.“

Computerspiele seien eine „ganz normale Weiterentwicklung“ von herkömmlichen Spielen in Zeiten der Vernetzung, konstatierte der IT-Experte der FDP-Fraktion, der ebenfalls in der Internet-Kommission sitzt. Wesentlich für Kinder und Jugendliche sei, dass der Spaß beim Spielen im Vordergrund steht. Außerdem würden Geschicklichkeit, Koordinationsfähigkeit und strategisches Denken auch mit den neuen Medien gefördert werden. „Es tut allen interessierten Kollegen gut, das mal aus erster Hand zu sehen“, sagte Höferlin mit Blick auf die bevorstehende LAN-Party.

Unterstützung aus den anderen Fraktionen

In der FDP-Fraktion seien „alle ganz begeistert“ von der Initiative, erklärte Schulz. Sie sei bereits mit den Geschäftsführern der Regierungskoalitionen besprochen worden und hätte ein „sehr positives Echo“ erfahren. Nun sollen auch die anderen Fraktionen die LAN-Party unterstützen und mittragen. Davon ist Höferlin überzeugt, weil auch die anderen Parteien „den gleichen Bedarf sehen wie wir“. Eine ähnliche Veranstaltung fand bereits Mitte 2009 im bayerischen Landtag statt. MEHR ZUM THEMA:

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