StiftungNepal

Das Erdbeben und die Politik

Ronald Meinardus bei einer Veranstaltung in IndienMeinardus berichtet aus Nepal
06.05.2015

Nepal wurde von einem schweren Erdbeben erschüttert. Die Bergungsarbeiten und die Nothilfe für das Land gehen mittlerweile in die zweite Woche. Stiftungsexperte Ronald Meinardus interviewte Robin Sitoula, Direktor der nepalesischen Samriddhi Foundation zu den Auswirkungen der Naturkatastrophe auf die Politik in der Region. Ergänzt wird das Interview durch einen Hintergrundbericht.

„In diesen Tagen kommt eine Menge Hilfe ins Land; die Herausforderung ist, diese Güter so zu verteilen, dass sie den Menschen helfen, wieder auf die eigenen Beine zu kommen - ohne dabei Abhängigkeiten zu zementieren. Das ist häufig ein Nebeneffekt von auswärtiger Hilfe“, erklärte Sitoula. Die Samriddih Foundation engagiert sich auf lokaler Ebene für bessere Lebensbedingungen, insbesondere durch Bildungsprojekte. Die vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen seien nun darauf angewiesen, dass Kapital für den Wiederaufbau bereitgestellt werde, betonte Sitoula.

Das Land sei nicht ausreichend auf ein Erdbeben dieses Ausmaßes vorbereitet gewesen, verdeutlichte Sitoula. „Das Fehlen stabiler Regierungsstrukturen und vor allem legitimer lokaler Vertretungen ist zu keinem Zeitpunkt derart deutlich geworden.“ Die Gemeinden seien in Nepal gut organisiert, dies könnte aus Sitoulas Sicht die Keimzelle für einen besseren Katastrophenschutz in der Zukunft sein.

Nepal in der Zange: Indien und China ringen um Einfluss

Meinardus erläutert in einem Hintergrundbericht zum Erdbeben, dass „der Wettkampf um Macht und Einfluss in Nepal seit Jahr und Tag eine Konstante der südasiatischen Regionalpolitik“ sei. Es sei wahrscheinlich, „dass China im Zusammenhang mit den nötigen Aufbauarbeiten in Nepal seinen Einfluss ausweiten wird“, erklärte Meinardus. Dessen sei sich auch Indien bewusst. Diese Konkurrenz der Regionalmächte lasse die Schwäche der nepalesischen Regierung deutlich zutage treten. „Hinter der Postkartenfassade verbirgt sich ein Land mit einer turbulenten politischen Vergangenheit und tiefgreifenden Konflikten.“

Hier finden Sie das ganze Interview mit Robin Sitoula.

Der Hintergrundbericht zu Nepal auf freiheit.org

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