FDPDiesel-Gipfel

Diesel-Skandal: Kunden nicht im Regen stehen lassen

AuspuffAutoindustrie ist in der Pflicht, die Abgas-Probleme zu lösen
01.08.2017 - 16:10

Der Diesel-Skandal weitet sich aus, der Kartellverdacht erhärtet sich. Auch das Kraftfahrbundesamt hat offenbar eine unrühmliche Rolle gespielt. Unter diesen Vorzeichen lädt die Bundesregierung am Mittwoch zum "Diesel-Gipfel". FDP-Chef Christian Lindner sieht die deutsche Automobilindustrie an einem schwierigen historischen Wendepunkt. Er erwartet jetzt von den Autoherstellern, dass sie "reinen Tisch machen und alles aufklären". Das gelte für den Abgasskandal wie für die Kartellvorwürfe. Mit Blick auf die Rolle des Kraftfahrtbundesamtes, das dem Verkehrsminister unterstellt ist, sagt Lindner: "Dobrindt muss schnell Klarheit schaffen, wann das Kraftfahrtbundesamt fehlerhaftes Verhalten bei Porsche entdeckt hat." Im Interview mit der Passauer Neuen Presse mahnt er: "Die Kunden dürfen jetzt nicht im Regen stehen gelassen werden."

"Die Konzerne sind selbst gefordert und in der Pflicht, die Abgas-Probleme zu lösen und die notwendigen technischen Nachrüstungen bei Diesel-Fahrzeugen schnell vorzunehmen. Das ist keine Aufgabe der Steuerzahler", stellt er klar. "Zu Fahrverboten in Innenstädten darf es nicht kommen", unterstrich Lindner. "Es kann nicht sein, dass Geringverdiener ihren alten Diesel bald am Stadtrand abstellen müssen". Auch für Pendler wäre das ein schwerer Schlag.

Autoindustrie muss alternative Antriebe weiterentwickeln

Lindner sieht jetzt die Autoindustrie in der Pflicht. Sie habe es selbst in der Hand, die Diesel-Emissionen zu reduzieren. Er warnt: "Die Automobilbranche darf nicht zur Stahlbranche des nächsten Jahrzehnts werden. Wir müssen rasch die Voraussetzungen für technische Innovationen wie autonomes Fahren schaffen und brauchen die Infrastruktur für mehr Elektromobilität, damit die Modelle aus der Nische auf den Markt kommen." Zugleich unterstreicht der FDP-Chef, dass ein Verbot oder Enddatum für Benzin- und Dieselfahrzeuge keinen Sinn macht: Keiner könne vorhersehen, ob Elektromotoren wirklich der einzig sinnvolle Antrieb sind. "Wir dürfen uns die Technologieoffenheit nicht nehmen lassen, die Deutschland Wohlstand gebracht hat. Wir sollten den ökologisch und ökonomisch überzeugendsten Weg gehen."

Kraftfahrtbundesamt: Dobrindt muss schnell Klarheit schaffen

Mit Blick auf einen Bild-Bericht, wonach das Kraftfahrtbundesamt (KBA) schon seit einem Jahr von Abgasmanipulationen bei Porsche gewusst und auf Betreiben der Autoindustrie Untersuchungsberichte zum Abgasskandal geschönt habe, sieht Lindner erheblichen Erklärungsbedarf bei Dobrindt: "Bislang kann er nicht klar erklären, ob es sich hier um einen standardmäßigen Dialog zwischen Unternehmen und Aufsicht oder unzulässige Einflussnahme und eine Schönung von Ergebnissen gehandelt hat.“

Kommentare (6)

Paul Hansen
01.08.2017 - 18:06
Der Grenzwert für NO2 ist nur 4-mal so groß (40 mikrogramm/m3) wie das was man in der verkehrsarmen Fläche auf dem Land misst. Das macht deutlich dass wir es mit einem möglicherweise überzogenen Wert zu tun haben. Die Studien auf denen er basiert sind fragwürdig. Das NO2 kommt auch keineswegs nur vom Verkehr. Ich finde, wenn man den Wert ernst nimmt, dann sind temporäre Fahrverbote (Notdienste ausgenommen) durchaus ein probates Mittel und sie nehmen auch die Politik in die Verantwortung, die nicht für besseren ÖPNV und Verkehrsfluss und den Austausch alter Busse sorgt.

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