FDPDas aktuelle Interview

Digitalisierung mit Optimismus und Tatkraft begegnen

Christian LindnerChristian Lindner fordert die Bundespolitik auf, bessere Rahmenbedingungen für die Digitalisierung zu schaffen
12.07.2017 - 13:53

Im Doppelinterview mit dem Unternehmensberater Roland Berger hat FDP-Chef Christian Lindner dem Handelsblatt Einblicke in die digitale Zukunftspolitik der Freien Demokraten gegeben. Bei der Digitalisierung sei Optimismus angebracht, der aber nicht zur Tatenlosigkeit führen dürfe, betonte Lindner. "Damit der Wandel gelingt, braucht es mutige Unternehmer und gut ausgebildete Beschäftigte. Aber eine erstklassige Infrastruktur wäre ebenfalls nötig, die Deutschland als eines der langsamsten Internetländer des Westens derzeit nicht besitzt."

Um die notwendigen Köpfe zu gewinnen, sind aus Lindners Sicht starke Bildung und moderne Einwanderung dringend erforderlich. Schüler müssten Geräte nicht nur nutzen, sondern auch selbst das Programmieren lernen. Darüber hinaus arbeite die schwarz-gelbe Regierung in NRW jetzt daran, dass es eine private Fachhochschule für Coding gebe. "Unsere staatlichen Hochschulen sind sehr stark auf die klassische, theoretische Informatik spezialisiert, die wir auch sehr wertschätzen. In den USA aber etwa gibt es Computer Sciences. Diese Ausrichtung ist geländegängig", verdeutlichte Lindner. Solche Absolventen fehlten in der deutschen Wirtschaft.

Außerdem brauche es ein Einwanderungsgesetz und eine bessere Willkommenskultur. Der französische Staatspräsident habe schlau und schnell reagiert, als US-Präsident Donald Trump den Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen ankündigte. So nahm Macron in englischer Sprache ein Video auf, in dem er großartige Energiewissenschaftler in den USA direkt ansprach und sie nach Frankreich einlud. Lindner fragt sich: "Warum können wir in Deutschland nicht so cool sein?"

Mit dem Status quo ist es nicht getan

Zwar seien Mentalitätsreformen leider besonders schwer. Die hohen Umfragewerte der CDU, deren Wahlprogramm sich mit den zwei Worten "Weiter" und "so" zusammenfassen lasse, belegten die mangelnde Veränderungsfreude der Deutschen, so Lindner. Dabei sei in einer Welt des Wandels nichts gefährlicher als Kontinuität, mahnte er. Deshalb brauche Deutschland bessere Rahmenbedingungen für innovative Unternehmen und Unternehmerpersönlichkeiten.

Die zukunftsorientierte Politik der "neuen" FDP ist auch aus Bergers Sicht zu begrüßen. "Die FDP von heute hat ein breiteres Programm und kann deshalb mit den beiden großen Parteien konkurrieren und koalieren", hielt er fest. "Die FDP ist mittlerweile eine gewichtige Partei, die wir in der Regierung gut gebrauchen könnten." Nur mit den Freien Demokraten seien bürgerliche Mehrheiten möglich, sagte er. "Eine ewige Große Koalition kann doch nicht die Zukunft Deutschlands sein."

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