FDPGastbeitrag

Erfolgreich sein heißt wieder aufstehen

Konstantin KuhleJuLi-Chef Konstantin Kuhle spricht sich für eine Kultur der zweiten Chancen aus.
21.01.2015 - 13:27

Der Begriff der "Chancen" ist in der Politik beliebt. Auch die Freien Demokraten setzen sich für Chancengerechtigkeit und Entfaltungsmöglichkeiten ein. JuLi-Chef Konstantin Kuhle stellt aber klar: In Deutschland ist damit oft nur die erste Chance gemeint. Im Gastbeitrag für das "Handelsblatt" fordert er mehr gesellschaftliche Akzeptanz für Risiken, Scheitern und zweite Chancen. "Auch, wer nach einer Zäsur wieder neu beginnen und sich nicht unterkriegen lassen will, verdient Unterstützung", betont Kuhle.

Der Freie Demokrat erzählt die Geschichte vom Max Levchin, Mitbegründer des Online-Bezahldienstes Paypal, der viele Rückschläge auf dem Weg zu einer erfolgreichen Unternehmensgründung erlebt hatte. So zitiert Kuhle ihn: "Das erste Unternehmen, das ich gegründet habe, ist mit einem großen Knall gescheitert. Das zweite Unternehmen ist ein bisschen weniger schlimm gescheitert, aber immer noch gescheitert. Und wissen Sie, das dritte Unternehmen ist auch anständig gescheitert, aber das war irgendwie okay. Ich habe mich rasch erholt, und das vierte Unternehmen überlebte bereits. Es war keine großartige Geschichte, aber es funktionierte. Nummer fünf war dann Paypal." Wer in Deutschland ein Unternehmen gründe und mit der ersten eigenen Idee scheitere, sei hingegen für den Rest seines Lebens stigmatisiert, konstatiert Kuhle.

Lebenschancen durch Flexibilität fördern

Ein neues politisches Chancenkonzept müsse auch die zweite und dritte Chance der Menschen in den Blick nehmen, fordert der JuLi-Chef. "Es braucht kein mittelmäßiges Abitur für alle, sondern Lebenschancen und Lebensglück für jeden." Darüber hinaus verwies er auf Programme der Handwerksbetriebe in Zusammenarbeit mit den Kammern, die Studienabbrechern den Weg in eine handwerkliche Lehre ebnen sollen. Kuhle schlägt vor, die Regeln für das Handwerk auch weiter zu flexibilisieren.

Die Politik könne die Risikobereitschaft in der Gesellschaft nicht erzwingen, aber sie könne die Bedingungen für risikobereite Menschen verbessern, erklärt Kuhle. "Etwa mit sozialversicherungsrechtlichen Anreizen für Co-Working-Modelle, weniger praxisfeindlichen Regelungen wie dem Praktikanten-Mindestlohn und einer echten Eigentumsordnung für Daten, um die Digitalwirtschaft zu beleben, ohne das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung zu opfern", führt er aus. Für ihn ist klar: Underdogs brauchen weder Mitleid noch Sonntagsreden, sondern eine Politik, die dafür kämpft, dass sie ihre zweite und dritte Chance nutzen können.

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