FDPTransatlantische Beziehungen

FDP setzt weiter auf Dialog mit den USA

US-Deutschland-FlaggenFDP setzt weiter auf Dialog mit den USA

Nach dem G7-Gipfel knirscht es im Gebälk der Beziehungen zwischen Europa und den USA. Die Freien Demokraten halten nicht viel von einer Eskalation. FDP-Chef Christian Lindner warnt davor, den Dialog mit den USA zu vernachlässigen: "Aus Irritation darf keine dauerhafte Entfremdung werden." Europa solle die aktuellen Differenzen mit den USA zum Anlass nehmen, selbst geschlossener und handlungsfähiger aufzutreten.

Dies sei jedoch kein Gegenmodell zu den transatlantischen Beziehungen, sondern sollte Hand in Hand damit gehen, sagte er am Montag in seiner Rede zur Freiheit vor der Friedrich-Naumann-Stiftung. Er kritisierte den Tonfall, in dem nach dem Gipfel der sieben großen Industrienationen (G7) über die Beziehungen zu den USA gesprochen wurde. "Manche Formulierung hat doch wirklich jedes Maß verloren." Ihm gefalle nicht, dass mitunter schon von den G6 gesprochen werde. Viel mehr müsse der Dialog "gerade dann, wenn es große Meinungsunterschiede gibt, besonders intensiv geführt werden." Es müsse gelten: "Diese eine Präsidentschaft kann und darf die Verbindung über den Atlantik nicht auf Dauer gefährden", ergänzte Lindner am Dienstag. Der verstorbene Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher würde sagen, der Gesprächsfaden dürfe nicht abreißen und die Partnerschaft zwischen dem amerikanischen Volk und den europäischen Völkern müsse von tagespolitischen Erwägungen ausgenommen sein. Die transatlantischen Beziehungen seien sicherheitspolitisch und ökonomisch für Europa und Deutschland unverzichtbar.

Amerika ist nach wie vor ein guter Freund

Auch Alexander Graf Lambsdorff, Vizepräsident des Europaparlaments, plädiert grundsätzlich dafür, mit den Amerikanern Geduld zu haben. "Das heißt, nicht das Kind mit dem Bade ausschütten, nicht die Freundschaft zu den USA kündigen, sondern geduldig auf die amerikanische Administration einwirken, auch auf den Präsidenten", betonte der FDP-Europapolitiker im Tagesgespräch mit dem Bayerischen Rundfunk. Er erinnerte daran, dass die Freundschaft zu den USA weit über das hinausgehe, was eine Regierung, was ein Präsident tue. Deutsche reisten ja viel nach Amerika, deutsche Wissenschaftler forschten an amerikanischen Universitäten, viele Innovationen technischer Art kämen aus den USA. Also sei Amerika nach wie vor ein guter Freund, aber dass diese Regierung von Donald Trump jetzt ein verlässlicher Partner sei, das könne man im Ernst nicht wirklich behaupten, so Lambsdorff auf NDR Info.

"Wir sollten außerdem auf unserer Baustelle Europa das verändern und verbessern, was wir verändern können und müssen", so Lambsdorff. Für ihn liegt auf der Hand, dass sich Europa stärker von den USA emanzipieren muss. Alexander Graf Lambsdorff betonte im Deutschlandfunk, Europa müsse jetzt unter deutscher und französischer Führung vorangehen:  "Berlin muss sich in den Dienst Europas stellen. Es hat eine Führungsrolle, aber es muss sie gemeinsam ausüben mit den Franzosen, mit den europäischen Institutionen und mit allen kleinen und großen Partnern in dieser Europäischen Union." Er plädierte für eine Abkehr von kleinteiligem Denken. Europa müsse zum Produzenten von Stabilität werden.

Kommentare (6)

Dirk Schaeffer
02.06.2017 - 10:26
Reden mit wem? Mit Trump? Diesem Narzisten und Egomanen ist mit rationalen Argumenten doch nicht beizukommen. Und wie redet der Typ denn mit dem Rest der Welt und "the bad Germans"? Klar, sollten die Deutschen und Übrigen Europäer die Kommunikationskanäle irgendwie offen halten, aber sie sollten Trump gegenüber nicht rumeiern und die Volk ermuntern, Trump ebenfalls entgegen zu treten . Ich kann jedenfalls nur hoffen, dass er selbst die ersten vier Jahre nicht übersteht... Ich habe 17 Jahre in New York gelebt und gearbeitet und so etwas noch nicht erlebt. Und ich muss sagen, dass ich Gottseidank keine republikanischen Freunde habe, die so jemanden zum Präsidenten gewählt haben.
S. Kersten
31.05.2017 - 09:08
Es ist gut, dass in dem obigen Artikel zwischen Amerika und Trump unterschieden wird. Trump ist nun einmal noch kein Politiker, sondern ein Geschäftsmnn und er hat nun einmal 'America First' auf seine Fahne geschrieben. Mit ihm kann man nur auf geschäftlicher Basis zu Übereinkünften kommen. Unseren Handelsüberschuss muss man ihm genauestens erklären, immer wieder, wenn er auf dieses Thema kommt, dass auch Ameika mit den kreierten Jobs in seinem Land profitiert. Man muss ihm dann die geshäftlchen Abläufe immer wieder genau erklären. (Twitter Statements reichen da nicht!) Gleiches gilt für die Verteidigungsausgaben.
Reinhold Hüls
31.05.2017 - 06:41
Die deutsche Politik soll in der Sache klar Stellung beziehen, wenn aus der amerikanischen Regierung Unsinn verbreitet wird. Aber sie muss auch aufhören, Beschlüsse um des lieben Friedens Willen mit zu tragen, die Sie nicht bereit ist, umzusetzen. So dürfen unsinnige Budgetbeschlüsse der NATO nicht von Deutschland mit getragen werden. Hier muss ein deutlicher Widerspruch erfolgen, auch wenn das Ärger mit den USA zur Folge hat.
Berthold Killait
30.05.2017 - 19:50
Für den Dialog mit den USA müssen zunächst hier die Hausaufgaben gemacht werden. Der Forderung nach zwei Prozent des BIP für den Verteidigungshaushalt durch Trump sollte entgegengestellt werden, dass Deutschland Pensionslasten (u. a. Beihilfen für Kranke und Pflegebedürftige) nicht im Verteidigungshaushalt ausweist. Wenn man auch noch nachlaufende Stationierungskosten (u.a. für USA) mit einbezieht, ergibt sich schon ein anderes Bild als Trump dargestellt hat. Flüchtlingshilfe und präventive Maßnahmen durch gezielte Entwicklungshilfe sind ebenfalls einzubeziehen. Daneben ist der Handel von EU-Staaten mit den USA zu beleuchten, bei dem die Defizite vieler Staaten gegenüber den USA u. a. durch deutsche Überschüsse kompensiert werden können. Die Fakten müssen gesammelt und dem Präsidenten der USA präsentiert werden.
e.brenscheidt
30.05.2017 - 19:35
Ja, weiter im Gespräch bleiben, auch wenn es zur Zeit äußerst schwerfällt. Man sollte sich auch immer vor Augen führen, dass etwa die Hälfte der US-Bürger mit diesem Präsidenten nicht einverstanden sind.

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