FDPFeierstunde

Genschers liberales Vermächtnis ehren

Christian LindnerChristian Lindner
15.03.2017 - 11:50

Das Vermächtnis Hans-Dietrich Genschers ist bis heute Leitschnur für die FDP. Die Partei würdigte ihn mit einer Feierstunde und einem neuen Namen für die Zentrale: Hans-Dietrich-Genscher-Haus. Knapp ein Jahr nach dem Tod des langjährigen Außenministers erinnerten Wolfgang Ischinger, Klaus Kinkel und Christian Lindner an den Staatsmann, Menschen und Liberalen. Genscher habe der Partei insbesondere in schwierigen Zeiten immer Mut zugesprochen, betonte Lindner.

Nach der Begrüßung durch FDP-Generalsekretärin Nicola Beer spräch zunächst der Diplomat Wolfgang Ischinger über Genscher. Er zeichnete das Bild eines prinzipientreuen Mannes, der hart für seine Ziele arbeitete und dabei nie die Menschen aus dem Blick verlor. Ischinger betonte: "Es ging ihm immer um Europa und um ein regelbasiertes internationales System. Ein erfolgreiches und freies Deutschland konnte es nur in einem erfolgreichen und freien Europa geben."

Kinkel sprach in seiner Rede über den Menschen Genscher. Die beiden Politiker verbanden fast 50 Jahre gemeinsame Arbeit und Freundschaft. Genscher habe mit und in der FDP gelebt. Nach einigen Schicksalsschlägen sei Genscher immer dankbar gewesen für das, was er in seinem langen Leben habe erreichen können. Er sei ein Mann des Dialogs gewesen, "der nie aufgab". Diese Bereitschaft sei insbesondere zu Zeiten des Kalten Krieges wichtig gewesen, unterstrich Kinkel.

Aus der Vergangenheit lernen

Lindner berichtete von Genschers Politikverständnis: "Liberalismus darf nicht zu einer Buchreligion werden, er ist verpflichtet, sich immer wieder neu zu denken." Genscher sei kein Mann des Status quo gewesen. "Er wusste, dass man die Vergangenheit verstanden haben musste, um die Gegenwart zu verstehen und diese Lehren für eine bessere Welt umzusetzen", so Lindner.

Parteizentrale wird Hans-Dietrich-Genscher-Haus

Der FDP-Chef skizzierte vier Themenkomplexe, die Genscher in besonderer Weise geprägt habe. In der Sozialpolitik habe er immer besonders auf die tatsächlichen Ergebnisse von Politik geschaut. Lindner forderte deswegen, "statt klassenkämpferisch über Umverteilung zu diskutieren", sollte mehr Geld in Bildung investiert werden, um individuellen Aufstieg zu ermöglichen. Für den FDP-Ehrenvorsitzenden sei Liberalismus die "umfassende Antwort auf jede Form der Unfreiheit gewesen". Deswegen brauche es sowohl gesellschaftliche als auch wirtschaftliche Freiheit, hob Lindner hervor.

Mit Blick auf die Debatte über die Innere Sicherheit verwies der FDP-Chef auf die Verdienste Genschers als Innenminister. Nach dem Olympia-Anschlag 1972 habe dieser die Spezialeinheit GSG 9 ins Leben gerufen, um auf neue Bedrohungen vorbereitet zu sein. "Die Sicherheitslage richtet sich nicht nach der Stärke der Polizei, deswegen muss sich die Stärke der Polizei nach der Sicherheitslage richten", stellte Lindner klar.

Die größten Bedrohungen für Europa kämen von innen, durch Parteien, die ein Europa der Vaterländer wollten, warnte Lindner. "Natürlich haben wir Interessengegensätze, aber der zivilisatorische Fortschritt besteht doch darin, dass wir diese Konflikte in Sitzungssälen austragen und nicht auf Schlachtfeldern."

Das Vermächtnis Genschers gebe der Partei eine klare Leitschnur. Lindner schloss mit den Worten: "An diese liberalen Werte möchten wir uns jeden Tag erinnern, wenn wir unsere Parteizentrale betreten. Deswegen verabschiede ich sie heute aus dem Hans-Dietrich-Genscher-Haus in Berlin."

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