FDPEnergiepolitik

Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit zusammen denken

Die Freien Demokraten wollen eine Balance zwischen Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit schaffenDie Freien Demokraten wollen eine Balance zwischen Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit schaffen
07.11.2017

Die Welt blickt mit Spannung auf die Bonner Weltklimakonferenz, auch in den laufenden Jamaika-Sondierungsgesprächen gibt es bei der Klimastrategie noch ein bisschen Gesprächsbedarf. "Wir werden weiter Zweifel anmelden an der physikalischen Machbarkeit grüner Energiepolitik. Denn es ist nichts gewonnen, wenn wir Kohlekraftwerke in Deutschland abschalten, um anschließend Kohlestrom aus Polen zu importieren oder Kernenergie aus Frankreich", sagt FDP-Chef Christian Lindner im Gespräch mit der Funke Mediengruppe. Die Grünen müssten Vorschläge liefern, die in der Praxis auch umsetzbar wären. Die FDP bekenne sich zum Pariser Klimaschutzabkommen, das das Jahr 2030 in den Blick nehme. Den Alleingang Deutschlands mit deutlich ehrgeizigerem Tempo sieht sie hingegen kritisch.

"Wenn wir jetzt das Jahr 2020 in den Blick nehmen, da sind die Ziele so ehrgeizig, dass bei gleichzeitigem Verzicht auf die Kernenergie in Deutschland Strukturbrüche drohen würden, ohne dass es etwas Positives für das Weltklima bewirkt", erklärt Lindner im Interview mit Berlin direkt. "Eine solche Politik hielte ich nicht für verantwortbar."

Dem schließt sich FDP-Generalsekretärin Nicola Beer an. "Auch wir als Freie Demokraten wollen Klima schützen, wir wollen saubere Luft, sauberes Wasser. Nur, man muss dabei die physikalischen Grundlagen beachten", betonte sie im N24-Interview mit Blick auf die rein deutschen Klimaziele, die weit über die Zielvorgaben des Pariser Abkommens hinausgehen. "Wenn die physikalisch nicht erreicht werden können, weil man eben nicht gleichzeitig aus Atomenergie und Kohle aussteigen kann, dann sollten wir uns lieber einen anderen Pfad des Abbaus suchen."

Die Versorgungssicherheit muss gewährleistet werden

Der Kohleausstieg werde auch weiter vorangehen, aber die Vorstellung der Grünen zum Tempo dieser Entwicklung sehe die FDP als unrealistisch, erläutert FDP-Präsidiumsmitglied Hermann Otto Solms im Phoenix-Tagesgespräch. "Die FDP ist für so viel Verzicht auf Kohleverstromung wie möglich, aber gleichzeitig für so viel Versorgungssicherheit wie nötig", betont er. Wirtschaft und Verbraucher müssten verlässlich versorgt werden, auch an Tagen, an denen der Wind nicht wehe und die Sonne nicht scheine. "Bei der Windenergie hat die Bundesregierung beim Ausbau der Netze und der Speichermöglichkeiten völlig versagt", kritisiert Solms.

Die Folgen der bisherigen Energiepolitik sind für FDP-Bundestagsfraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff eindeutig. "Die Kosten, die wir in Deutschland uns aufbürden, um eine Tonne CO2-Ausstoß zu vermeiden, sind die höchsten der Welt", unterstreicht er im Interview mit dem Deutschlandfunk. "Wir sagen als Freie Demokraten: Es ist viel sinnvoller, dass wir bei uns optimieren. Nehmen wir mal das Kohlekraftwerk in Datteln. Da steht ein hochmodernes Kraftwerk, ein ganz nagelneuer Block und vier alte. Wir können die vier alten zumachen und den neuen ans Netz nehmen." Dies wäre dann kein Ausstieg aus der Kohle, sondern eine Optimierung, hebt er hervor.

Es gehe letztendlich um die Zukunft der deutschen Industrie, macht Lambsdorff klar. "Es gibt energieintensive Betriebe, die sind grundlastabhängig. Das heißt, die brauchen eine permanente, verlässliche, sichere Stromversorgung", verdeutlicht er. "Da darf es keine Ausfälle geben, sonst gehen ganze Prozesse kaputt. Da hängen Hunderttausende von Arbeitsplätzen dran." Die FDP wolle eine Balance schaffen, "zwischen Fortschritten beim Klimaschutz und einer wettbewerbsfähigen deutschen Industrie, gleichzeitig den Klimaschutz aber auch global denken und den Blick hier weiten". Entscheidend sei die Zwei-Grad-Zielsetzung, das Ziel der Pariser Klimakonferenz 2050. Es gelte, einen Pfad dorthin zu entwickeln, "ohne auf dem Weg zum besseren Klimaschutz die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit einzubüßen", fordert er.

Kommentare (11)

Hans Wilhelm Hahn
08.11.2017 - 17:34
Die FDP ist in denGesprächen mit Union und Grünen auf einem guten Weg für die Politik der Zukunft. Endlich gewinnen in der Debatte der Energie- u Verkehrspolitik richtige Tatsachen an erheblichem Gewicht. Die bisherige Überhöhung des E-Autos zur Erreichung der Gesundheits- u Klimaziele ist unzutreffend, wie folg. Argument zeigt: Es wird irreführend behauptet, E-Fzg seien abgasarm. Das ist falsch. Das Gegenteil ist richtg: E-Fzg. stoßen 299,68 mg NOx /je km. Warum? Bei einem Verbrauch von 20 kwh je 100 km erzeugt die Stromproduktion des E-Autos 29,97 g NOx, weil in D bei einer Gesamtproduktion von 648 Terrawattstunden 971.000 t NOx ( Jahr 2016, Quelle: Umweltbundesamt, Energiebedingte Emissionen) erzeugt werden. Heruntergerechnet auf den km ergibt der Gesamtausstoß für ein E-Auto derzeit also einen NOx -Wert von 299, 68 mg/km. Der CO2 Ausstoß des E- Fzg beträgt auch noch 105,40 g/km, der eines neuen OM 654 Diesel-Motors weniger als 90 g/km. Das E-Fzg ist also schmutziger!!
Werner Koenigs
08.11.2017 - 15:49
Diese Strategie und Grundüberzeugung ist genau die, wofür viele mehr rational und weniger ideologisch denkende Menschen der FDP ihr Vertrauen geschenkt haben. Jeder Ingenieur weiß, daß man 80% Ergebnis mit 20% Aufwand erzielen kann, aber daß eben auch für die Ereichung der letzten 20% Ergebnis 80% des Aufwands erforderlich sind! Bei der Klimapolitik ist es daher absurd, dass wir ein gigantisches Volksvermögen in die Subvention der Erneuerbaren investieren, obschon dies auf die Erzeugung von CO2 im Weltmaßstab praktisch keinen Effekt hat. Denn insgesamt steht Deutschland für weniger als 2.5% der Weltgesamterzeugung von CO2! Bei den Grünen geht es also nicht um die "Rettung" unseres Klimas, sondern um Ideologie. Denn sonst müssten sie fordern, dass wir das viele Geld dort in der Welt investieren, wo die wirklich schmutzigen Anlagen stehen und ersetzt werden sollten. Damit wäre dem Weltklima besser gedient und gleichzeitig den Arbeitsplätzen unseres exportorientierten Anlagenbaus.
H. Poirot
08.11.2017 - 14:48
Die ideologischen Grünen wollen den Industriestandort Deutschland zerstören, werden die dann in China hergestellten Produkte aber sicherlich nicht verschmähen. Die Strompreise müssen signifikant sinken. Umweltschutz hat Vorrang vor Klimaschutz, denn letzteres können wir kaum beeinflussen. Man sollte außerdem vom Atomstrom zum konventionellen Strom übergehen, da ersterer der teuerste von allen ist. Subventionen abbauen!
Constantin Wild
08.11.2017 - 14:35
Ja bitte genau so. Zu lange hat sich schon die deutsche Politik von den skrupellosen EEG Subventionsabgreifern treiben lassen. Es wird höchste Zeit, diesem Treiben die Stirn zu zeigen, und deren perfide Weltretter RP in eigener Sache mit sachlichen, vernünftigen Argument zu begegnen.
Fred Dahlmann
08.11.2017 - 14:07
Die effektivste und effizienteste Lösung der verschiedenen Energie- und Klimafragen geht meiner Ansicht nur über die EU Energie Union. Nur durch länderübergreifende Kooperation lassen sich Emission reduzieren, Energiepreise senken und Versorgungssicherheit gewährleisten. Ich würde mir gerade bei diesem Thema mehr und deutlich europäischere Lösungsansätze wünschen. Die Weiterführung nationaler Alleingänge zwecks Energiepolitik schadet Klima, Konsumenten und der Wirtschaft and kann in niemands Interesse sein. Vor allem langfristige Zielvorgaben sind dann genau sinnvoll, wenn sie damit der Industrie und Konsumenten Planungssicherheit für Investitionen und Nutzung gibt. Kurzfristige Eingriffe hingegen führen zu Verunsicherung und lassen Zweifel an politischer Beständigkeit aufkommen. Gerade Energie Technologien, Leistungen und Innovationen brauchen ein klares und stabiles Umfeld, um die verschiedensten Zielsetzungen gleichmäßig und -zeitig zu erfüllen.
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