StiftungBayernwahl 2018

Oktober-Revolution im Freistaat

Die Mehrheitsverhältnisse in Bayern verschieben sichDie Mehrheitsverhältnisse in Bayern verschieben sich
15.10.2018 - 15:45

Landtagswahlen in Bayern waren in den vergangenen Jahrzehnten ungefähr so spannend wie Spiele des FC Bayern in der ersten Runde des DFB-Pokals. Seit 1966 verpasste die CSU nur einmal die absolute Mehrheit, hatte Stimmenanteile zwischen 56 und 62 Prozent. Vorbei. Mit 37,2 Prozent der Stimmen und damit dem zweitschlechtesten Ergebnis bei einer Landtagswahl in Bayern seit 1950 ist die CSU nun auf Talfahrt. Für freiheit.org analysiert Stiftungsexperte Thomas Volkmann die Gründe für den massiven Stimmenverlust der Christsozialen sowie für das erfolgreiche Comeback der Freien Demokraten.

Die Stimmenverluste der CSU resultierten aus massiven Abwanderungen bisheriger Wähler zu den Grünen, zur AfD und zu den Freien Wählern, erklärt Volkmann mit Blick auf entsprechende Recherchen von infratest dimap. "Wäre es nicht gelungen, in hohem Maße vorherige Nichtwähler diesmal zur Stimmabgabe zu motivieren, wäre das Ergebnis noch negativer ausgefallen", hält er fest. Insbesondere die Arbeiter und die Rentner wandten sich von den Christsozialen ab. Und auch der Ministerpräsident und Spitzenkandidat war kein Erfolgsgarant. Nun müsse die CSU lernen, "zu regieren, ohne zu meinen, dass ihr allein das Land gehört – also anders als zwischen 2008 und 2013", verdeutlicht Volkmann. Denn: "Die CSU wird in rauem Wind stehen, jeder der potenziellen Koalitionspartner wird versuchen, die Schwäche der CSU zur eigenen Profilierung zu nutzen. Die bayerische Oktober-Revolution hat gerade erst begonnen."

Dass die FDP in dieser politischen Großwetterlage den Wiedereinzug in den Landtag geschafft hat, sei durchaus bemerkenswert, betont Volkmann. 5,1 Prozent der Wählerstimmen wurden erreicht, dabei wurden insbesondere ehemalige Nichtwähler und CSU-Wähler hinzugewonnen. Auch bei den in den letzten fünf Jahren neu nach Bayern Zugezogenen gab es deutliche Gewinne. Im Wahlkampf habe die FDP Bayern mit Sachpolitik überzeugt: "70 Prozent der FDP-Wähler gaben an, aus inhaltlichen Gründen für die Freien Demokraten gestimmt zu haben; 58 Prozent sagten, sie hätten aus Überzeugung die Freien Demokraten gewählt", erläutert der Stiftungsexperte. Hier lesen Sie mehr über das Stimmverhalten und die Entwicklung der Wahlergebnisse bei Sozialdemokraten, Grünen, Freien Wählern und AfD in Bayern.

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