Seniorenpolitik

Gruppenfoto: Rentner lächeln in die Kamera© Foto: Shutterstock

Wie überall in Europa verändert sich auch in Deutschland die Altersstruktur der Bevölkerung: Der Anteil junger Menschen wird weniger, die Älteren werden mehr. In Deutschland wie in den anderen EU-Ländern vollzieht sich ein demografischer Wandel, der einhergeht mit einer Gesellschaft des längeren Lebens. Zugleich sind ältere Menschen heute überwiegend fit, gesund, gut ausgebildet und aktiv – und das in einem Maße wie noch nie zuvor in der Geschichte. Mittlerweile umfasst die Lebensphase „Alter“ oft mehrere Jahrzehnte und ist verbunden mit dem ausgeprägten Wunsch nach einem „aktiven Altern“.  Hierzu zählt in einem hohen Maße die Selbstbestimmung im Alter, das umfasst u. a. den Verbleib in der eigenen Wohnung, aber natürlich auch eine Infrastruktur, die ein selbständiges Bewegen im öffentlichen und privaten Raum zulässt. Barrierefreiheit in allen Lebensbereichen ist daher anzustreben, bei der Aus- und Weiterbildung von Handwerkern, Architekten, Stadtplanern, Ingenieuren muss Barrierefreiheit ein Ausbildungsinhalt werden.

Ob sich die Potenziale des Alters ungehindert entwickeln und entfalten können, wird die Entwicklung der nationalen europäischen Gesellschaften entscheidend beeinflussen. Hierbei kommt den Altersbildern, also den allgemein verbreiteten Meinungen, Überzeugungen und Einstellungen über das Alter und das Älterwerden, eine besondere Bedeutung zu. Welche sozialen Rollen älteren Menschen in der jeweiligen Gesellschaft offen stehen und was von ihnen in diesen Rollen erwartet wird, hängt nicht zuletzt von den dort vorherrschenden Altersbildern ab. Altersbilder haben auch Einfluss darauf, was jüngere Menschen für ihr eigenes Alter erwarten und was ältere Menschen sich zutrauen und erreichen wollen.

Eine an den Stärken und Gestaltungsspielräumen des Alters orientierte Sicht schließt nicht aus, gleichzeitig auch die Grenzen im Blick zu behalten. Hilfe und Unterstützung müssen dort angeboten werden, wo es notwendig ist, um selbstbestimmtes und selbständiges Leben zu ermöglichen. Hierzu können technische Assistenz- und Hausnotrufsysteme einen wichtigen Beitrag leisten.

Die Lebensphase Alter ist so vielfältig wie jede andere Lebensphase auch. In dieser Vielfalt liegt eine Chance: Ältere Menschen werden, weil ihr Anteil an der Bevölkerung wächst, zukünftig einen neuen Platz in der Gesellschaft einnehmen. In einer Gesellschaft des langen Lebens stecken enorme Kräfte: die Zeit und die Bereitschaft gerade der Älteren, Verantwortung zu übernehmen und sich zu engagieren.

Es gilt, älteren Menschen neue Wege für Selbst- und Mitverantwortung in der Zivilgesellschaft zu ebnen, auch über Familiengrenzen hinaus. Insbesondere in den Kommunen muss in eine Infrastruktur für bürgerschaftliches Engagement investiert werden. Damit wird zugleich die Voraussetzung für die Entwicklung und Entfaltung von differenzierten Altersbildern geschaffen.

Noch immer gibt es überholte rechtlichen Altersgrenzen, vor allem im Sozial- und Berufsrecht, aber auch in vielen anderen Rechtsbereichen.  Zur Begründung der Altersgrenzen wird häufig mehr oder weniger explizit eine verminderte Leistungs- oder Belastungsfähigkeit älterer Menschen unterstellt. Grundsätzlich sollten keine Altersgrenzen vorgegeben werden, es sei denn, es liegt eine besonders zu begründende Ausnahme vor.

Wir wollen Wachstum und soziale Sicherheit im demographischen Wandel sicherzustellen. Dies bedeutet, verstärkt die Potenziale und Ressourcen der zweiten Lebenshälfte zu aktivieren, auch für den Bereich Bildung und Qualifizierung, bei dem im Vergleich zu den Nordischen Ländern der EU erheblicher Nachholbedarf besteht. Im Einzelnen muss die Weiterbildung in der zweiten Lebenshälfte in das nationale Bildungssystem, in die nationale Bildungsberichterstattung und diesbezüglich relevante Erhebungsinstrumente  aufgenommen werden. Bildung kann nicht länger auf die erste Lebenshälfte beschränkt werden.  Auch in den Unternehmen muss dieser Geist Einzug halten, um weiter global wettbewerbsfähig zu sein. Hierzu ist ein Altersmanagement unabdingbare Voraussetzung.

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