FDPÜberwachung

Umfassende Schnüffelei und Datenmissbrauch durch Staatstrojaner

VideoüberwachungTür und Tor für umfassende Schnüffelei und Datenmissbrauch stehen offen
29.01.2018 - 10:30

Das Bundeskriminalamt hat damit begonnen, sogenannte Staatstrojaner auf privaten Computern, Laptops und Handys zu installieren. Die rechtliche Basis dafür hatte der Bundestag im letzten Sommer beschlossen, nun ist die Überwachung von Kommunikation über Messenger-Dienste wie WhatsApp Realität. "Dass das BKA den Staatstrojaner nun offenbar einsetzt, ist ein eklatanter Eingriff in das Grundrecht auf Privatsphäre", kritisiert FDP-Vize Wolfgang Kubicki. Schon bei der Verabschiedung des Gesetzes haben die Freien Demokraten scharf kritisiert, dass damit nun Tür und Tor für umfassende Schnüffelei und Datenmissbrauch offenstehen.

Denn: Der Staatstrojaner ermöglicht es den Behörden, die Kommunikation auch unbescholtener Bürger direkt über das Smartphone auszuspionieren und sogar Bewegungsprofile von ihnen zu erstellen. Dabei hatte das Bundesverfassungsgericht im Fall der Online-Durchsuchung sehr enge Grenzen für ihren Einsatz gesetzt. Mit ihrem ersten Gesetzentwurf in der neuen Wahlperiode haben die Freien Demokraten inzwischen deutlich gemacht, dass sie auch zur Verteidigung der Grundrechte zurück ins Parlament gewählt worden sind: Mit dem Gesetzentwurf zur "Stärkung der Bürgerrechte" wollen sie eine Trendwende in der Innen- und Rechtspolitik erreichen, die sie mit der Abschaffung sowohl der verfassungswidrigen Vorratsdatenspeicherung als auch des zweifelhaften Netzwerkdurchsetzungsgesetzes einleiten wollen.

Im Juni hat der Bundestag fast unbemerkt das einschneidende Überwachungsgesetz beschlossen. Es enthält unter anderem den sogenannten Staatstrojaner. Ermittlungsbehörden können damit heimlich Schadsoftware zur Überwachung einsetzen. Die öffentliche Debatte blieb bislang aus. Das liegt daran, dass das Gesetz durch die Hintertür eingeführt wird.  "Heute ist ein historisch schlechter Tag", kommentierte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. "Der Bundestag verabschiedet Gesetze, die den Staat zum Hacker machen. Und Bund und Länder basteln darüber hinaus an einem Musterüberwachungsgesetz." (ph)

Kommentare (3)

Christian Druffel-Severin
31.01.2018 - 17:56
Wem dienen denn Bewegungsprofile von unbescholtenen Bürgern und deren anderen IT Daten, die mittels "Staatstrojaner" ausfindig gemacht werden können? Wird auch das faktisch nicht mehr vorhandene Bankgeheimnis jetzt systematisch und digitalisiert weiter ausgehöhlt? Wer verwaltet diese Daten und mit welchem Zweck werden diese wie lange und wo gespeichert? Wie sicher sind solche (unerwünschten) Datenbanken in Deutschland gespeichert? Wir sollten uns das unbescholtene Bürger nicht bieten lassen! Verbrechensbekämpfung ist und bleibt wichtig, aber pauschales Misstrauen den Bürgern gegenüber, gewährt in keinster Weise Sicherheit und stärkt auch nicht das subjektive Sicherheitsgefühl eines jeden.
Petra Horstick
31.01.2018 - 17:56
@Ravenstein: Freie Demokraten fordern ein Grundrecht auf Verschlüsselung: https://www.fdp.de/wp-modul/btw17-wp-a-207, mehr zum Thema Digitalisierung finden Sie hier: https://www.fdp.de/thema/digitalisierung Das Thema Schutz der Privatsphäre wird hier behandelt: https://www.fdp.de/wp-modul/btw17-wp-a-90
Ravenstein
30.01.2018 - 20:32
Aber Christian Lindner will doch die grenzenlose IT-Zukunft ?
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