FDPFamilienpolitik

Wechselmodell zum Regelfall machen

Kind auf SchaukelTrennungen betreffen nicht nur die Eltern, sondern vor allem auch deren Kinder.
13.02.2019

Trennungen betreffen nicht nur die Eltern, sondern vor allem auch deren Kinder. Können sich Eltern nicht auf ein einvernehmliches Betreuungsmodell einigen, sei das Wechselmodell für die Kinder in der Regel die beste Lösung, meinen die Freien Demokraten. "Mutter und Vater sind gleichwertig", sagt FDP-Vizechefin Katja Suding. Das Prinzip "Einer betreut, einer bezahlt" sei längst nicht mehr zeitgemäß. Im Sinne des Kindeswohls sollten deshalb beide Eltern eine stabile Bindung zu ihren Kindern aufbauen können. Das Wechselmodell bietet dafür die besten Voraussetzungen.

Als Wechselmodell wird die Betreuung von Kindern bezeichnet, die nach einer Trennung der Eltern in beiden Haushalten aufgezogen werden. Wird das Kind nach diesem Modell zu nahezu gleichen Zeitanteilen bei beiden Eltern betreut, erzogen und versorgt, spricht man vom paritätischen Wechselmodell. Damit bildet das Wechselmodell die Alternative zum weitverbreiteten Residenzmodell, bei dem ein Kind nach der Trennung nur von einem Elternteil betreut wird. Das Wechselmodell sieht hingegen vor, dass beide Elternteile dem Kind ein Zuhause bieten.

Für das Wohl des Kindes ist stets eine einvernehmliche Regelung zwischen beiden Elternteilen wünschenswert, sagen die Freien Demokraten. Kommt es aber zu keinem Konsens, bedarf es einer gerichtlichen Entscheidung. Hier will die FDP bei einer Gerichtsentscheidung das Wechselmodell als Regelfall für eine Betreuungsregelung nach einer Trennung festlegen. Die Freien Demokraten sehen hierin den bestmöglichen Weg, dem Kindeswohl gerecht zu werden. Denn: Regelmäßiger und ausgiebiger Umgang mit beiden Eltern stellt nicht nur nach geltendem Recht einen Anspruch des Kindes dar, sondern ist auch zentraler Baustein für die positive kindliche Entwicklung.

Das Wechselmodell ist in mehreren europäischen Staaten bereits die Regel, unter anderem in Italien und Belgien. Auch der Europarat sprach sich 2015 für die Einführung des Wechselmodells als gesetzlichen Regelfall aus. Die FDP fordert deshalb einen Paradigmenwechsel in der deutschen Familienpolitik – weg von tradierten Stereotypen hin zu individuellen Betreuungslösungen für Kinder. Einen entsprechenden Antrag haben die Freien Demokraten bereits in den Deutschen Bundestag eingebracht, der diese Woche im Rechtsausschuss angehört wird.

Kommentare (14)

Ralf Schlötzer
14.02.2019 - 20:31
Meine Frau und ihr Ex betreiben das Modell schon seit 10 Jahren. Es wurde vom Gericht aufdiktiert damit der Mann kein Unterhalt zahlen muss. Die Kinder haben keine wirkliche Heimat, da sie jede Woche wechseln. Sie leiden unheimlich darunter, man merkt es auch an ihrem Verhalten und den schulischen Leistungen. Das Modell würde nur funktionieren, wenn beiden Partner 100%ig sich einig sind und zusammenarbeiten. Warum hat man sich dann aber getrennt? Meiner Meinung funktioniert das Modell in der Praxis nicht ohne das die Kinder darunter für das spätere Leben negativ geprägt werden. Ich bin seit letztem Jahr FDP Mitglied, kann aber so eine Forderung nicht nachvollziehen oder gar damit in den Wahlkampf gehen! Was will Frau Suding damit bezwecken? Sie hat sicherlich bestimmt viel private Erfahrungen in ihrem Leben mit dem Wechselmodel machen können. Soll damit die ohnehin gebeutelte FDP weiter demontieren werden? Auf solche Vertreter kann ich in der FDP verzichten!!!
Ewald Dr. Keßler
14.02.2019 - 08:48
Das Wechselmodell hat den gravierenden Nachteil, dass beide Elternteile vollständige Wohnmöglichkeiten für ihre Kinder einrichten mögen. Neben den finanziellen Folgen der Trennung werden für viele diese Belastungen zu hoch sein, ganz abgesehen von der zeitlichen Belastung, wenn jemand ganztags arbeitet.
Jan.W
13.02.2019 - 17:58
Ich kann es nur begrüßen und uneingeschränkt meine Unterstützung zusagen. Es ist das Recht der Kinder bei Eltern zu haben! Meine Tochter lebt das Wechselmodell, und das Argument der andere Elternteil wohnt wo anders kann man nicht gelten lassen. Es geht um das Wohl der Kinder und ich kenne viele Kinder die sehr darunter leiden meistens Ihren Papa nicht sehen zu dürfen! Wir Eltern haben die Pflicht im Sinne der Kinder die Angelegenheit zu Regeln. Da wird um jeden Löffel gestritten, aber die Kinder müssen funktionieren damit es den Eltern gut geht.. Zudem ist das System einer zählt mehr als ungerecht. Ich bezahle doppelt, zum Wohle meiner Tochter, weil die Richter noch immer für die Mütter entscheiden. Ich kenne Väter die sich um Längen besser um die Kinder kümmern und die Kinder und der Papa traurig sind weil Sie nicht mehr miteinander machen können.. Setzen Sie sich mit aller Kraft für das Wechselmodell ein..!!!! Bravo im Namen aller Kinder...!!!
Wolfgang P
13.02.2019 - 17:32
Generell finde ich es richtig ein Wechselmodell für betroffene Kinder einzuführen, nur hat das Ganze einen Haken: in den meisten Fällen leben die entsprechenden Partner nicht mehr im selben Ort, so dass das Kind oder die Kinder unter Umstände weitere Wege in Kauf nehmen müssen, hinzu kommt, dass sie ihren Besuch im Kindergarten oder in der Schule, in die sie eingegliedert sind, wahrnehmen können. Ferner muss auch gewährleistet werden, dass die Eltern in einem abgesprochenen Konzens die Betreuung des Kindes/der Kinder durchführen. Es gibt nichts schädlicheres als wenn die getrennten Eltern durch " gut gemeinte" Wunscherfüllungen sich gegenseitig konkurrieren. Auch erzieherische Elemente sollten abgesprochen sein, dies bedeutet nicht, dass auch individuelle erzieherische Maßnahmen möglich sein sollten. Ein Zerren an dem Kind / den KIndern wäre fatal. Auch müssen die räumlichen Voraussetzungen es er- lauben, dass es Rückzugsmöglichkeiten gibt, altersmäßig mehr oder weniger!
Inka Brunke
13.02.2019 - 17:31
Meinen Sie wirklich das viel beschworene Kindeswohl, wenn Sie sich dafür einsetzen, dass beide Elternteile "gleichberechtigt" sein sollen in der Betreuung des von Ihnen verlassenen Kindes? Ich kann nur schwer verstehen, wie man ernsthaft der Meinung sein kann, dass Scheidungskinder keine erheblichen Einbußen in ihrer psychischen Entwicklungen erleiden. Sie dann noch aus ihrer gewohnten Umgebung zu zerren, an wechselnden Standorten (andere Umgebung, anderer Schulweg, schwer erreichbar für ihre Freunde) und ihnen zuzumuten, dass sie häufig ihre Siebensachen einpacken und umziehen müssen, grenzt meiner Meinung nach an bewußter Vernachlässigung. Ich sehe in dem Wechselmodell nichts anderes als grenzenlosen Egoismus der Eltern.
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