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Widerspruchslösung ist Deformation der Selbstbestimmung

Die Freien Demokraten sehen die Widerspruchslösung bei der Organspende kritischDie Freien Demokraten sehen die Widerspruchslösung bei der Organspende kritisch

Der FDP-Chef Christian Lindner reagiert mit Kritik auf den Vorstoß des Gesundheitsministers Jens Spahn, der die Widerspruchslösung bei der Organspende ins Gespräch brachte. Nach dieser werden auch Verstorbene ohne Spenderausweis automatisch zu Spendern, wenn sie nicht zu Lebzeiten widersprochen haben. Zwar sei Lindner selbst Organspender und werbe auch dafür. Er betont jedoch: "In Existenzfragen halte ich eine ausdrückliche Zustimmung ohne einen sonst möglichen Anpassungsdruck für besser."

Auch Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg hat Spahns Vorschlag mit Verweis auf den massiven Eingriff in die Freiheit des Einzelnen zurückgewiesen. Als Gegenvorschlag brachte Garg die Entscheidungslösung ins Spiel. Jeder müsse dann beim Behördengang erklären, ob er ein Organspender sein wolle oder nicht. Garg sprach von einer verpflichtenden Entscheidungslösung, die bisher so nicht existiert. Auch FDP-Präsidiumsmitglied Michael Theurer verwies auf diese Möglichkeit.

Spahn plädiert für die Widerspruchslösung mit Einspruchsrecht. Bei diesem werden bei fehlendem Widerspruch noch Angehörige befragt. Diese Form findet Anwendung in Belgien, Finnland, Litauen und Norwegen. In Deutschland ist die Organspende nur dann möglich, wenn der Verstorbene zu Lebzeiten aktiv einer Organspende zugestimmt hat.

Kommentare (20)

Bettina van Alen
11.09.2018 - 15:54
Auch ich möchte Herrn Lindner zustimmen. Wer achtet auf die Rechte der Schutzbefohlenen, der Kinder und derer, die sich auf Grund einer körperlichen oder geistigen Einschränkung nicht äußern können? Das ist eine erhebliche Anzahl an Menschen in diesem Land. Mit klarem Verstand betrachtet entsteht kein Zweifel aber es gibt mit Sicherheit "Schützende", die Ihrer Verantwortung nicht nachkommen, darin gar ein Geschäft entdecken. Wozu zählen unsere Organe? Sind sie ein Produkt? Die Würde des Menschen ist unantastbar. Jeder Mensch ist wert-voll. Das impliziert eine doppelte Deutung. Die Worte von Herrn Lindner sind überzogen gewählt, aber deutlich. Wer versteht und hört heute zu, wenn ausgewogen formuliert wird? Den Gedanken von Herrn Rieth könnte man ggf. verfolgen: "wer Spender ist hat auch Priorität als Empfänger". Ein unentgeltlicher Anreiz, der den Lebenswillen speist.
Udo Hartmann
08.09.2018 - 00:41
Sehr geehrter Herr Lindner, Deformation ist eine völlig übertriebene Interpretation. Ich stimme selten mit H. Spahn überein, aber in diesem Fall schon. Gerade wenn die FDP das das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen sonst hoch hält, dann kann sie in so einer wichtigen Frage auch eine Reaktion verlangen, wenn jemand eine Organentnahme nicht will. Mit freundlichen Grüßen Udo Hartmann
Stephan Rieth
07.09.2018 - 15:20
Liebe Parteifreunde, ich kann keinem einen Vorwurf für die jeweilige Meinung machen. Dafür spricht, dass Menschen am Ende geholfen wird Dagegen spricht , dass es nun mal nicht liberal ist. Vielleicht müssen wir Liberalen uns die mühe machen einen Kompromiss zu finden. Mein Vorschlag in dieser Richtung ist, dass wir 1. den Spendern / Hinterbliebenen eine Entschädigung zahlen und 2. das Prinzip einführen , wer Spender ist hat auch Priorität als Empfänger. in dieser Kombination bin ich bereit meine liberalen Rechte hintenan zu stellen und würde einer Widerspruchslösung zustimmen.
Sven Bühler
07.09.2018 - 09:22
Meines Erachtens sollte man bei der Sache bleiben und nicht ins polemische Lager ("Deformation der Selbstbestimmung") verfallen. Die Umstellung der bisherigen Praxis wird sicherlich keine Entmüdigung darstellen und auch keine Einschränkung in der Selbstbestimmung des Individuums. Durch Einlegen eines Widerspruchs kann der Einzelne (so sie/er nicht bereits Organspender ist) den Status quo erhalten. Es bleibt Gegenstand der Ausarbeitung des Gesetzes, Fragen wie die Überführung von der heutigen in die zukünftige Rechtslage so zu gestalten, dass keine Bürgerin und kein Bürger fürchten muss, seiner Organe "enteignet" zu werden. Auch dem Schutz Minderjähriger wird man Rechnung tragen können. Was spricht dagegen, die Verantwortung bis zur Vollendung der Volljährigkeit in die Hände der Eltern zu legen?
Frank Rauen
06.09.2018 - 15:00
Meine Frau und ich haben sehr bewusst unser Testament sowie ausführliche Patientenverfügungen auch notariell beglaubigen lassen, damit uns der Staat bzw. seine Repräsentanten nicht in unsere Privatsphäre hinein regieren. Nun sollen wir quasi per Gesetz gezwungen werden, für Organbanken zur Verfügung zu stehen, es sei denn, wir widersprechen? Dieser Widerspruch müsste wohl auch zentral erfasst werden, damit kein Arzt behaupten könnte, er hätte davon nichts gewusst!? Ich wäre bei einer derartigen Regelung geneigt, dann grundsätzlich zu widersprechen!
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