FDPUnternehmensgründungen

Deutschland zur Gründerrepublik machen

InnovationVon 30 im Koalitionsvertrag angekündigten Versprechen zur Förderung von Start-ups wurden bislang lediglich 3 umgesetzt.
30.07.2019

Obwohl Berlin als Gründermetropole gilt, hat sich die Zahl der Gründungen in Deutschland in den letzten fünfzehn Jahren nahezu halbiert. Im internationalen Gründungsranking der Weltbank ist Deutschland auf den 114. Platz zurückgefallen. Für die Freien Demokraten ist das ein Grund zur Sorge. "Eine Gründerrepublik sieht anders aus", so FDP-Präsidiumsmitglied Michael Theurer. Der Großen Koalition sei es in den vergangenen Jahren jedenfalls nicht gelungen, nachhaltige Lösungen für bekannte Probleme zu schaffen. Seiner Ansicht nach muss das Ziel sein, dass Unternehmensgründungen innerhalb von 24 Stunden möglich sind. "Wir brauchen zudem mehr Wagniskapital in Form eines Zukunftsfonds und müssen die Gründer- und Innovationskultur fördern", wirbt er in einem Gastbeitrag im Handelsblatt dafür, das Unternehmertum zu stärken und Menschen zu ermutigen, ihre Ideen und Visionen in die Tat umzusetzen.

Unternehmensgründer haben es hierzulande immer noch schwer, kritisiert Theurer. Er weiß auch, warum die einstige Gründernation Deutschland den Anschluss verloren hat: "Vom ungenügenden Zugang zu Wagniskapital über fehlende digitale Infrastruktur bis zur überbordenden Bürokratie wird Gründern der Schritt zum eigenen Unternehmen erschwert. Noch immer müssen sie unzählige Anträge bei Behörden stellen und lange auf eine Bearbeitung warten."

Der Großen Koalition wirft er vor, in den vergangenen Jahren keine nachhaltigen Lösungen für diese bekannten Probleme gefunden zu haben: "Von 30 im Koalitionsvertrag angekündigten Versprechen zur Förderung von Start-ups wurden bislang lediglich drei umgesetzt. Im Hinblick auf Wagniskapital wurden existierende Förderprogramme wie etwa Exist, Invest oder Hightech-Gründerfonds weiterentwickelt, jedoch nicht der große nationale Digitalfonds aufgelegt", zählt er auf. Um hier eine Trendwende einzuleiten, wollen die Freien Demokraten ein neues Gründerklima schaffen und Pioniergeist wecken. Dafür muss der bürokratische Aufwand auf ein Minimum reduziert werden. Denn: Junge Unternehmer sollten sich auf ihr Geschäft konzentrieren können, statt sich mit unnötigem Papierkram aufhalten zu müssen.

Theurer fordert zudem mehr Wagniskapital in Form eines Zukunftsfonds.  Und: "Wir müssen die Gründer- und Innovationskultur fördern, beispielsweise durch die Einrichtung von Freiheitszonen. Außerdem sollten wir der Marktmacht der großen Player mit einem schlagkräftigen und zeitgemäßen Wettbewerbsrecht begegnen, damit auch jüngere Unternehmen faire Wettbewerbsbedingungen vorfinden. Deutschland muss jetzt aufholen."

Kommentare (2)

Harald Meurer
01.08.2019 - 13:52
Hier stimme ich Herrn Orth zu. Aber es geht noch weiter. Als Seriengründer kann ich das beurteilen. Die meisten Start-Ups kommen nach 1-2 Jahren in die Situation, dass sie zur weiteren Entwicklung "Working-Capital" benötigen. Faktisch alle Banken, Förderprogramme, KfW, Hightec Gründerfond, etc. dürfen aber aufgrund ihrer Regularien nicht in Working Capital investieren. Auch der neue Investitionsfond der Landesregierung NRW (immerhin FDP getrieben) agiert hier nicht anders. Wir brauchen eine andere Kultur der Investitionslogik, mehr Risikobereitschaft auch der institutionellen Investoren, mehr fachliche Unterstützung bei der Umsetzung, Begleitung von erfahrenen Coachs die staatlich gefördert werden. Bürokratie ist gewachsen und lästig. Aber dass es weniger Start-Ups liegt nicht darin, dass sie nicht innerhalb von 24 Stunden gegründet werden können. Hier würde ich meiner Partei empfehlen aufzupassen, dass sie nicht zu populistisch werden. Das schwächt nur unsere Glaubwürdigkeit.
Wolfgang Orth
01.08.2019 - 06:34
Es hat sich doch nichts geändert im Vergleich zur einstigen "Gründernation Deutschland". Ungenügenden Zugang zu Wagniskapital und überbordende Bürokratie gab es in D immer schon. M.E. liegt die Ursache tiefer, nämlich in einer sich seit Jahrzehnten verschlechternden Bildung und dem fehlendem Willen sich durchzusetzen. Was leider auch nicht erwähnt wird ist die Zahl der Insolvenzen aufgrund ungenügnder Planung. Ein Zukunftsfondnds macht noch keine gute Idee aus oder mangelnde Planung wett. Leider tut die FDP in diesem Fall so, als reiche das Schlagwort "Gründerrepublik" aus, um einen zu Recht beklagten Zustand zu verbessern.
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