FDPImpfpflicht-Debatte

Freiwilligkeit führt zu Problemen

ImpfungFür die FDP ist die Impfflicht nur das letzte Mittel.

Gesundheitsminister Jens Spahn will die Masernimpfpflicht per Gesetz. FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg kann sich mit diesem Gedanken im Grundsatz anfreunden: "Es kann nicht sein, dass andere Kinder in Kitas und Schulen durch Impfverweigerer gefährdet werden." Die FDP habe es sich bei dieser Frage nicht leicht gemacht. Grundsätzlich bevorzuge man eine Freiwilligkeit. Aber man erlebe, dass diese Freiwilligkeit nicht zum Erfolg, sondern "zu erheblichen Problemen führt“, so Teuteberg.

Es gehe im Fall von Masern nicht um eine Erkältung, sondern um lebensgefährliche Krankheiten. Gleichzeitig distanzierte sie sich von möglichen Strafzahlungen: "Eltern, die nicht impfwillig sind, sollten wir zunächst noch mal intensiv ärztlich beraten sollten." Für die FDP ist die Impfflicht nur das letzte Mittel. Bevor es drakonische Strafen gebe, so formuliert es der stellvertretende FDP- Fraktionsvorsitzende Michael Theurer, müsse eine Offensive zur Aufklärung stattfinden: "Kritik äußern wir daran, dass vor einer Impfpflicht und drakonischen Strafen von 2500 Euro eine Offensive zur Aufklärung stattfinden sollte.“

Er mahnt zugleich: "Wer seine Kinder nicht impfen lässt, handelt verantwortungslos gegenüber seinen Kindern, aber auch anderen, insbesondere Menschen mit Immunsuppression und Neugeborene, die nicht geimpft werden können und auf Herdenimmunität angewiesen sind".

Auch Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg unterstützt die Bestrebungen, mit einer Impfpflicht gegen die Ausbreitung von Masern vorzugehen. "Die Einführung einer Masern-Impfpflicht halte ich grundsätzlich für richtig", sagte der FDP-Politiker am Montag der Deutschen Presse-Agentur. "Eine Masern-Impflicht ist eine konsequente Maßnahme, die Menschen in Zukunft besser vor Infektionen schützt." Mit einer Impfung schütze man nicht nur sich selbst, sondern auch andere Menschen und besonders diejenigen, die nicht geimpft werden können, sagte Garg. Dazu gehörten Säuglinge und Kleinstkinder bis zum Alter von neun Monaten.

 

In einem Beschluss des Bundesparteitages heißt es dazu: "Nicht zuletzt durch unwissenschaftliche Vorurteile und Impfmüdigkeit gefährden immer mehr Personen dadurch fahrlässig die Gesundheit ihrer, aber auch anderer Kinder. Dies können wir nicht weiter hinnehmen. Denn auch das Erziehungsrecht der Eltern kennt Grenzen, wenn es zulasten des Wohlergehens und der Gesundheit des Kindes geht. Kinder sollten deshalb zum Schutze ihrer körperlichen Unversehrtheit ein Recht auf Impfschutz erhalten.

Wir Freie Demokraten fordern daher die Durchsetzung einer allgemeinen Impfpflicht für Kinder bis 14 Jahre gemäß § 20 Absatz 6 Infektionsschutzgesetz. Die vorzunehmenden Impfungen sollen sich an den Empfehlungen der ständigen Impfkommission des Robert Koch Instituts (STIKO) orientieren. Der behandelnde Kinderarzt ist dazu angehalten, die Erziehungsberechtigten bei den regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen auf die Impfpflicht hinzuweisen."

Hintergrund

Die Weltgesundheitsorganisation zählt Impfgegner inzwischen zu den zehn größten Gesundheitsrisiken. Besonders erschreckend ist, dass über vier Prozent der Kinder nicht die notwendige zweite Masernimpfung erhalten. Deutschland liegt hier deutlich unter der WHO-Quote. Dies zeigt das Problem der Impfmüdigkeit und auch Impfvergesslichkeit in Deutschland. Gerade zur Masernimpfung sind dabei viele falsche Informationen im Umlauf. Doch Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit, sondern ein schweres Leiden das auch heute noch tödlich enden kann.

Die Strategie sollte dabei vielseitig sein. "Gerade für die Erwachsenen, die in den 1970er und 1980er Jahren nie die zweite Masernimpfung bekommen haben, sollten wir gezielte Informationskampagnen und eine verstärkte Aufklärung einführen", schlägt Michael Theurer vor. Da gehe es um niedrigschwellige Angebote wie beispielsweise in den Schulen und auch Erinnerungsschreiben durch Krankenkassen.

Kommentare (6)

Michael Stukenberg
10.05.2019 - 16:08
Ich halte den Antrag und die Forderung für einen krassen Angriff auf die sonst von uns hochgehaltene persönliche Entscheidungsfreiheit und das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit. Aus meiner Sicht ein Minus für die FDP. Ich bin nicht gegen impfen, aber für Aufklärung, Beratung und freie Entscheidung.
Christoph Schoewe
08.05.2019 - 15:01
Der Artikel und auch die Kommentare zeigen, dass sich intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt wird. Trotzdem ist mir das noch nicht differenziert genug, denn die meines Erachtens nach beste Lösung wurde nicht einmal genannt: eine Impflicht mit opt-out auf Antrag. Das lässt den Eltern die Freiheit, aber nur, wenn sie auch die Verantwortung übernehmen können, das auch zu begründen. (Ich nehme mal an, dass ist sehr im Interesse von Johannes Peters.) Die im Artikel beschriebene Impfmüdigkeit wird so beseitigt, aber wichtige Bedenken (wie sie Detlef Dechant äußert) können weiterhin von den Eltern, also subsidiär entschieden werden.
Alexander Bischoff
08.05.2019 - 14:00
Meine Frau hat MS und ein Zusammenhang zwischen lebend Impfung und MS ist bis heute nicht geklärt. Eine Impfplicht gilt nur den Pharmazie. Stattdessen sollten Ärzte Ihrer Aufgabe richtig zu beraten und auch informiert zu sein nachkommen. Ehepaare die ihre Kinder aus Unsicherheit nicht impfen wollen brauchen keine Verpflichtung sondern Beratung.
Detlef Dechant
08.05.2019 - 11:14
Die Impfung soll zwischen dem 11 und 14. Monat erfolgen. Heute sollen Kinder, um Eltern die Karriere zu ermöglichen, schon früher in die Krippe oder in die U3. Ungeimpft? Oder werden diese bis zur Impfung wieder ausgeschlossen? Oder werden diese Gruppen zu Quarantäne-Gruppen? Oder werden die Impftermine vorverlegt - mit entsprechenden Risiken? Und bei Impfpflicht - kommt dann der Staat - problemlos - für Impfschäden, die ja nicht auszuschließen sind - bürokratielos auf? Die Erfahrungen von Betroffenen sehen da aber ganz anders aus. Wer hat schon einmal gegen den Staat geklagt? Siehe Kontergan!!! Alles das ist nicht geregelt! Aber Impfpflicht!
Andreas Lindenau
07.05.2019 - 21:15
Wenn die grüne Jugend in die risikoreichen Gegenden Afrikas unterwegs ist,werden idealerweise gern auf Kasse die "gefährlichsten" Impfungen konsumiert,gegen Cholera,Typhus und Gelbfieber sowie Tollwut. Aber Kinder sollen unnötigerweise eine Krankheit durchleben müssen, an der zehntausende amerikanische Ureinwohnern gestorben sind oder Europäer Hirnentzündungen bekommen haben.
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