FDP, FraktionenWechselmodell

Gemeinsame Kinderbetreuung - auch nach der Trennung

Mädchen mit ZopfViele Eltern wünschen sich nach der Trennung eine gemeinsame Kinderbetreuung - FDP will das möglich machen

Einer betreut, der andere zahlt? Die Freien Demokraten wollen, dass Scheidungskinder künftig bei jedem Elternteil ein Zuhause haben. Mit ihrem Wechselmodell setzten sie sich dafür ein, die gleichberechtigte und abwechselnde Betreuung durch beide Elternteile zum Regelfall zu erklären, wenn die Eltern sich nicht einvernehmlich auf ein Betreuungsmodell einigen können. "Wir sagen: Mutter und Vater sind gleichwertig", bekräftigt FDP-Vize Katja Suding diese Haltung. Jetzt wurde dieser Vorstoß, der einem Paradigmenwechsel im Familienrecht gleichkommt, im Bundestag beraten. 

Auf ihrem letzten Bundesparteitag beschloss die FDP, dass Trennungskinder nach dem Wechselmodell betreut werden sollen, wenn sich die Eltern nicht einigen können. Das Wechselmodell bedeutet, dass die Kinder nach der Trennung der Eltern zwei Wohnsitze bekommen, um abwechselnd bei Mutter und Vater zu leben. Katja Suding sagt: "Wir möchten, dass das Gericht in Zukunft im Regelfall die Doppelresidenz annimmt." Denn es sei "althergebracht", dass Kinder nach einer Trennung "automatisch bei der Mutter leben". Damit wolle die FDP die anderen Modelle nicht abwerten. "Wir wollen aber auch nicht, dass der Staat im Streitfall die Rollen in der Familie so festlegt, dass ein Elternteil, in der Regel die Mutter, die hauptsächlich Erziehende ist und der Vater die Rolle des zahlenden Ernährers erhält, der allenfalls noch eine Nebenrolle im Leben der Kinder spielt."

Suding verweist auch auf internationale Studien, die belegen, dass das Wechselmodell förderlich ist für das Wohlbefinden von Trennungskindern. In Skandinavien und in Belgien sei das Modell gang und gäbe. "Eine intensive Bindung zu beiden Elternteilen ist für Kinder gut." Es gehe um einen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel, und es werde vermutlich auch eine Weile dauern, bis er sich durchsetzt. "Die Vorstellung, dass die Kinder nach einer Scheidung automatisch bei der Mutter leben, ist althergebracht. Wir setzen auf eine moderne Familienpolitik", so Suding. Das Thema wird in allen Parteien diskutiert – stets kontrovers. Es bleibt abzuwarten, ob die FDP mit ihrer Forderung weiterhin auf einsamem Posten bleibt. Suding sagt: "Der gesellschaftliche Wandel ist in vollem Gange, man kann und darf ihn nicht ignorieren."

Die FDP-Abgeordnete Katrin Helling-Plahr sagte: "In der Logik einer modernen Familienpolitik braucht unser Familienrecht eindeutig ein Update." Das Wechselmodell sei gerechter und in der Regel für die Kinder das Beste. Hintergrund ist ein Beschluss des Bundesgerichtshofs BGH, der 2017 entschieden hatte, dass Mütter und Väter prinzipiell die Möglichkeit haben, das Wechselmodell vor Gericht gegen den Ex-Partner durchzusetzen.

Kommentare (7)

Dorothee Mazurek
13.02.2019 - 08:30
Ein per Gesetz verordnetes Wechselmodell geht komplett an der Realität vorbei. Man stelle sich nur die Vielzahl getrennter Paare in Städten wie München, Frankfurt, Hamburg o.ä. vor. Wo sollen denn da all die 3- Zimmer (oder mehr)-Wohnungen herkommen, in denen das Kind sowohl bei Vater als auch bei Mutter sein eigenes Zimmer hat? Wieviele Menschen pendeln wöchentlich über hunderte Kilometer zu Arbeit. Soll das Kind dann eine Woche in der einen Stadt und eine Woche in der anderen Stadt leben? Nicht jeder Vollzeit arbeitende Mensch hat einen klar geregelten 9 to 5 Job. Aktuell ist eine Kinderbetreuung von 8-16 gut abgedeckt, wer darüber hinaus Bedarf hat, hat es sehr schwer. Da die Menschen heute oft der Arbeit hinterher ziehen, sind auch oft die Großeltern nicht mehr vor Ort zur Unterstützung. Liebe Politiker, regelt doch erstmal anständig das große Ganze bevor Ihr Euch in das ganz private Leben der Bürger einmischt. Abgesehen davon, es gibt gute Günde gegen das Wechselmodell.
NErdmann
10.05.2018 - 16:28
... an dieser Stelle seien nicht nur Väter die Leidtragenden. Denn es gibt durchaus auch Väter die ihrer Umganfspflicht nicht nachkommen WOLLEN und gesetzlich auch nicht dazu verpflichtet werden können. Welch Ironie - ein Kind kann der Umgang zum Vater auferlegt werden, obwohl es den Umgang nicht möchte - Kindeswohl?? Ein Vater muss seiner Pflicht nicht nachkommen, obwohl das Kind den Umgang ausdrücklich wünscht?? Was läuft hier falsch???
Ralf K.
02.05.2018 - 12:20
Danke, Frau Suding - weiter so! Ebenso ein großes Dankeschön an Frau Barley. Es wird höchste Zeit, dass unser Gesetz im Regelfall auf paritätische Betreuung (durch beide Elternteile) ausgelegt ist. Was im Ausnahmefall anders gemacht wird, ist eine andere Sache. Es darf nicht sein, dass standardmäßig dem Kind ein Elternteil (im Alltag) genommen wird! Unser gegenwärtiges Familienrecht (insbesondere das Unterhaltsrecht) ist ein Anreizsystem für Mütter, eine paritätische Betreuung zu konterkarieren, um Unterhalt zu bekommen. Den Vätern wird unterstellt, dass sie die Bindung zu ihren Kindern nur deshalb halten, um dem Unterhalt zu entkommen. Die Väter leiden unter Entfremdung zu ihren Kindern. Die Kinder leiden, weil einige Mütter die Väter schlecht machen. Ein Kind hat von Geburt an das Recht auf beide Eltern. Unser bisheriges (altes) Familienrecht ist alles andere als zeitgemäß, es diskriminiert Väter.
Günter Mühlbauer
19.03.2018 - 11:51
...ein herzliches dankeschön an die FDP für den Antrag "Wechselmodell" denn KINDER brauchen beide ELTERN & GROßELTERN...
Andreas Rother
19.03.2018 - 11:09
Mein Glückwusch zu dem Mut, endlich hat eine Partei die ideologische Brille abgesetzt und die Vernunft im Auge Für Unternehmen ist es wichtig, dass Fachkräfte (hier die Eltern) ihre Fähigkeiten in ein Unternehmen einbringen und dabei Beruf und Familie vereinbaren können. Davon profitieren die Unternehmen, die Eltern und nicht zuletzt in hohem Maße auch die Kinder. Das macht die FDP wieder wählbar. Mit freundlichen Grüßen Andreas Rother
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