FDPRx-Versandhandel

Gröhe blockiert fairen Wettbewerb bei Arzneimitteln

Die Freien Demokraten lehnen ein Verbot des Rx-Versandhandels abDie Freien Demokraten lehnen ein Verbot des Rx-Versandhandels ab

Medikamente günstiger aus der Versandapotheke bekommen? Nicht, wenn es nach Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) geht. Sein Gesetzentwurf, der den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln verbieten würde, ist Marie-Agnes Strack-Zimmermann ein Dorn im Auge. Statt sich an den Bedürfnissen der Patienten zu orientieren, blockiere Gröhe einen fairen Wettbewerb im Sinne der sozialen Marktwirtschaft, rügte die FDP-Vize. "Wir als Freie Demokraten haben Respekt vor den stationären Apotheken, aber eine einseitige Parteinahme nur für diesen Teil der Branche halten wir für falsch", sagte FDP-Chef Christian Lindner der Westdeutschen Zeitung.

Lindner rief die rot-grüne Landesregierung in Nordrhein-Westfalen auf, den Plan zu verhindern. Der FDP-Bundes- und Landeschef hob hervor, dass Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) das Thema Digitalisierung als Zukunftsaufgabe beschrieben habe. Dazu passe es aber nicht, dass eine Modernisierung des Apothekenmarkts auch durch NRW unterbunden werde, betonte Lindner. Kunden und Patienten sollten selbst wählen dürfen, "ob sie ihre Medikamente in der Apotheke um die Ecke kaufen oder ob sie das über das Internet tun wollen", forderte er.

Kein Verbot des Versandhandels

Mit seinem Gesetzesentwurf konserviere Gröhe verstaubte Strukturen, die verhinderten, dass die stationären Apotheken eigenverantwortlich ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken könnten, bemängelte Strack-Zimmermann. "Damit tut er den Apotheken vor Ort, auf die niemand verzichten will, keinen Gefallen, sondern schadet ihnen", stellte sie klar.

"Statt alte Pfründe zu sichern, sollte der Minister den Apotheken zukunftsträchtige Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen", forderte die stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende. Dazu gehöre auch die Beschränkung eines aggressiven Preiswettbewerbs ausländischer Anbieter, betonte sie. Auch Lindner findet: "Unter Umständen muss man die Rabattierung für aus dem Ausland versandte Medikamente verbieten." Das gesamte Bestellungsmodell undifferenziert zu untersagen, ist jedoch aus Sicht der Freien Demokraten keine Lösung. "Wir wollen eine faire Liberalisierung und kein Verbot des Versandhandels", führte Strack-Zimmermann aus.

Kommentare (5)

Joachim Dahlke
30.12.2016 - 09:40
Als selbständiger Apotheker und FDP-Mitglied bin ich einigermaßen überrascht, mit welcher Oberflächlichkeit die FDP-Führung ins Bundestagswahljahr 2017 startet. Liebe Parteifreunde, wenn das fairer Wettbewerb wäre, wäre ja alles gut. Hier aber ist es reine Rosinenpickerei der ausländischen Versandapotheken. Sie stellen keine individuellen Rezepturen her, haben keine Rund-um-die-Uhr-Versorgung oder ein flächendeckendes Notdienstsystem. Das macht ausschließlich die Apotheke vor Ort. Wenn sie schließen sollte, bedeutet es einen Verlust der Grundversorgung, genauso als wenn eine Post- oder Bankfiliale schließt. Feste Preise machen das Sachleistungsprinzip der Krankenkassen erst wirklich möglich. Kostendämpfungsmechanismen wie Zuzahlungen und Festbeträge sind ohne transparente und bundeseinheitliche Preise für rezeptpflichtige Arzneimittel nicht denkbar. Die AMPreisV verhindert destruktive Wettbewerbsformen und sichert damit eine flächendeckende Arzneimittelversorgung der Bevölkerung.
Joachim Fehr
20.12.2016 - 20:36
Im Gesundheitswesen sind viele Fragen offen, die eine liberale Lösung erfordern. 1. Die Rabattverträge der Krankenkassen mit den Herstellern berücksichtigen die Bioverfügbarkeit der Wirksubstanzen nicht, obwohl nur eine qualitative hochwertige Galenik sicherstellt, dass die deklarierte Wirkstoffmenge möglichst vollständig hilft. 2. Die hohe Versorgungsqualität der Bevölkerung mus oberstes Ziel der Gesetzgebung sein. Das gilt für Großstädte genauso wie für das flache Land. Dabei ist auch die spontane Versorgung von Erkrankten zu berücksichten, die Notdienstbereitschaft kann ja wohl kaum von Versandapotheken erfüllt werden. Die örtliche Apotheke hat Ihre Zukunft in der Lotsenfunktion, damit der notwendige Cocktail der Verordnungen von Haus- und Fachärzten in einem Medikamentenplan fixiert wird. 3. Auch das Thema Fallpauschalen zur Steuerung der Krankenhauskosten sollte dringend überprüft werden. Andere Länder haben die Fallpauschalen schon wieder abgeschafft.
Tang Hai-Hwa
20.12.2016 - 19:59
Vor einigen Jahrzehnten gab es einen niederländischen Versender, der sensationelle Schlankheitsmittel anbot. Eines Tages kam man seiner Medizin auf die schliche - es waren Bandwurmeier. Die deutschen Apotheker unterliegen einem Wust von Kontrollmechanismen und Zusatzleistungen wie Sonntagsdienste, ständige Anwesenheit eines Apothekers, geprüfte PTAs, was alles Geld kostet und aufwendig kontrolliert wird. Wer besteht auf vergleichbaren Bedingungen für die ausländischen Versandhändler, kontrolliert die Einhaltung und sanktioniert Verstösse? "Fair " sein zu wollen, setzt Chancengleichet voraus. MfG Tang Hai-Hwa
Hans-Werner Jülke
13.12.2016 - 21:42
Ich bin chronisch Herzkrank. Brauche alle 2 Monate " Medikamenten-Nachschub ". Spare bei einer Versandapotheke jedesmal bis zu 20,- Euro. Viel Geld für mich, Herr Gröhe!
Marlies M.
13.12.2016 - 20:42
Gute Frau, 1.Schlagen Sie bitte das Wort "fair" und dessen Bedeutung nach. 2. Zur Erklärung: wie kann es fair sein, dass ausländische Versender Rabatte auf RX-Arzneimittel beim Einkauf erhalten und die inländischen nicht? 1. Wettbewerbsnachteil; 2. Wettbewerbsnachteil: In Deutschland ansässige Apotheken dürfen keine Rabatte auf Rezeptgebühren geben. Und sollten Sie auch nicht. Wir leben in einer Solidargemeinschaft. Jegliche Boni sollten dieser zukommen; Chroniker können sich ja gerne befreien lassen, aber nicht dann bitte noch zusätzlich mit ihrer Krankheit Geld verdienen durch Boni. Ich könnte noch viel mehr schreiben, aber langsam vergeht mir immer mehr die Lust. Achja für alle: Arzneimittel sind keine Bonbons, die über die Theke geschoben werden, es handelt sich hierbei um besondere, erklärungsbedürftige "Waren". Setzen, sechs!
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