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Wehrpflicht-Forderung der CDU zeigt Hilflosigkeit

Alexander Graf LambsdorffFür Alexander Graf Lambsdorff kommt eine Wiedereinführung der Wehrpflicht nicht in Frage.
16.05.2017 - 14:53

Der Fall des rechtsradikalen Bundeswehr-Offiziers Franco A. löst bei der CDU blinden Aktionismus aus. So wurde die Forderung nach Wiedereinführung der Wehrpflicht aus der Union laut. FDP-Präsidiumsmitglied Alexander Graf Lambsdorff sieht darin ein Zeichen der Hilflosigkeit und fordert stattdessen eine sachliche Aufklärung sowie Reformen bei der Inneren Führung der Truppe.

Die Aussetzung der Wehrpflicht sei keine unüberlegte Entscheidung gewesen, erinnerte Lambsdorff. "Nur noch ein geringer Teil der jungen Männer leistete zum Schluss noch Wehrdienst. Die Auswahl glich einer Lotterie, von Wehrgerechtigkeit konnte keine Rede mehr sein." Für die Freien Demokraten liegt auf der Hand, dass die sicherheitspolitische Lage von der Bundeswehr eine weitere Steigerung ihrer Leistungsfähigkeit, etwa im Cyberraum, sowie die Entwicklung eines Konzepts zur Vernetzung mit anderen europäischen Armeen erfordert. "Dafür braucht sie Experten und keine flächendeckende Rekrutierung junger Männer für wenige Monate in einer aufgeblähten Territorialverteidigungstruppe alten Zuschnitts", stellte er klar.

Hintergrund

In der Affäre um den terrorverdächtigen Soldaten Franco A., der ein Doppelleben als falscher Flüchtling geführt hatte, kommen immer mehr kritische Details ans Licht. Wie aus dem Verteidigungsministerium verlautete, stammen Munition und Ausrüstungsgegenstände, die bei seinem mutmaßlichen Komplizen in Offenbach gefunden worden waren, aus Bundeswehrbeständen. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) traf sich inzwischen mit mehr als 100 hochrangigen zivilen und militärischen Führungskräften, um über den Fall zu sprechen. In der Aussprache ging es auch um das Prinzip der "Inneren Führung". Dieses hatte aus Sicht der Ministerin im Fall des rechtsextremen Soldaten Franco A. nicht gegriffen.

Kommentare (3)

Frank Rauen
17.05.2017 - 11:09
Die Wehrpflicht war längst nicht so schlecht, wie sie jahrelang dargestllt wurde. Sie ist meines Erachtens nach wie vor ein probates Instrument, jungen Mesnchen - und damit meine ich Männer wie Frauen - an eine nach wie vor nicht wirklich sichere Welt (auch in Europa) zu erinnern und dies auch physisch wie psychisch erfahrbar zu machen. Das hat natürlich nichts mit einer verqauasten Landsermentalität zu tun. Die heutige Diskussion verwundert schon sehr, vor allem in der pauschalen Art, wie die Bundeswehr unter Verdacht gestellt wird. Ich war zu Beginn der 70er (!) Jahre Soldat. Auch damals habe ich von einer Wehrmachtsverherrlichung oder dergleichen nichts gespürt. Natürlich wird es immer Einige geben, die aus Geschichtsvergessenheit solchen "Idealen" frönen. Frau von der Leyen sollte sich ob Ihrer Generalverdächtigung gegenüber der Bundeswehr meines Erachtens schnellstmöglich vom Acker machen.
Dr. Jürgen Dick
16.05.2017 - 21:36
Das im Traditionserlass (von 1982!) geforderte freiheitlich-demokratische Traditionsverständnis ist in Truppe und Offizierskorps nie wirklich verinnerlicht worden. Dies korreliert mit einer auch in unserer Gesellschaft unzureichend ausgebildeten Erinnerungskultur in Bezug auf demokratische Wurzeln in unserer Geschichte und einem entsprechenden Traditionsverständnis. Eine solche Verinnerlichung demokratischer Identität ist aber essentiell zur Abwehr politisch extremer Tendenzen. Wenn die Ministerin jetzt auf die Tradition der Bundeswehr selbst setzt, ist das zwar berechtigt, greift aber historisch zu kurz. Es gibt auch vor dem dunklen Kapitel des 20. Jahrhunderts erinnerungswürdige deutsche Geschichte. Voraussetzung ist, dass man die Pfade des preußischen Militarismus verlässt und sich z.B. mit den Demokratiebewegungen in der ersten Hälfte des 19. Jh., die in der Revolution von 1848/49 gipfelten, beschäftigt. Dr. Jürgen Dick, Generalstabsarzt a.D.
Bodo F. Holz
16.05.2017 - 18:53
Lieber Graf Lambsdorf, da bin ich dezidiert anderer Meinung. Die Landesverteidigung dürfen wir nicht Söldnern überlassen. Jedem Bürger muss klar gemacht werden, dass Demokratie nicht umsonst ist und dass jeder, ob Männlein oder Weiblein, für ihre Erhaltung Pflichten hat; Wehrpflicht (bzw. der Wehrersatzdienst) müssen selbstverständliche Dienste an und für die Gesellschaft sein. Nebenbei sind diese Dienste auch charakterbildend. Natürlich müssen die Dienste so organisiert werden, dass die große Mehrheit der Jugend dazu herangezogen wird. Nur so können wir wieder zum Bürger in Uniform kommen, bzw. zu seinem Pendant bei den Ersatzdiensten. Mit freundlichen Grüßen Ihr Bodo Holz
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