FDPAktuelles Interview

Wir brauchen einen harten Rahmen, um beim Klimaschutz voranzukommen

Erde, HändeIm Streitgespräch in der ZEIT plädiert FDP-Klimapolitiker Lukas Köhler für einen harten Rahmen für die Wirtschaft und die Gesellschaft, um beim Klimaschutz voranzukommen.
25.11.2020

In einem Streitgespräch in der ZEIT spricht der klimapolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Lukas Köhler, mit der "Fridays for Future"-Pressesprecherin Leonie Bremer über Umwelt- und Klimaschutz. Beide sind sich einig: Die Klimapolitik der Bundesregierung ist gescheitert. Ein Neustart ist notwendig, um die Erderwärmung unter 1,5 Grad zu halten. Anders als Fridays For Future (FFF) ist Köhler jedoch der Meinung, dass es nicht notwendig ist, bis 2035 CO2-neutral zu sein. "Die FDP will Klimagasneutralität bis 2050 erreichen, und zwar über Marktinstrumente. Wir wollen die CO2-Menge, die wir noch zur Verfügung haben, über Zertifikate handelbar machen", so der Klimapolitiker. "Wir brauchen einen harten Rahmen für die Wirtschaft und die Gesellschaft, um beim Klimaschutz voranzukommen." Bis zum Jahr 2050 könne man daher die CO2-Zertifikate immer weiter verknappen, sodass der CO2-Preis deutlich ansteige und sich klimafreundliches Verhalten immer mehr lohne.

Köhler sprach sich dafür aus, dass "Länder, die mehr leisten können, auch mehr leisten. Aus meiner Sicht heißt das: Wir in Deutschland müssen nicht nur für uns Ziele erreichen, sondern einen Weg zeigen, der international Nachahmer anspornt." Dies sei auch die Idee des Pariser Abkommens: Die Regierungen sollen alle fünf Jahren immer ambitioniertere Pläne dafür vorlegen, wie sie das Klima schützen wollen. 

Um der Verantwortung gerecht zu werden, die wir in Deutschland auch für andere Teile der Welt haben, brauche es laut Köhler einen harten Rahmen für die Wirtschaft und die Gesellschaft, um beim Klimaschutz voranzukommen - und zwar ein CO2-Limit und einen CO2-Preis. "Wird CO2 teurer, führt das zu Innovation und neuer Technologie. Wir haben doch eine extrem gute Ingenieurslandschaft, wir müssen jetzt nur alle Prozesse so umstellen, dass keine Klimagase mehr entstehen. Und dann müssen wir unsere Ideen und Produkte exportieren", erklärt der Klimaexperte. 

Noch wichtiger als der Streit zwischen Menschen, die unterschiedliche Herangehensweisen an den Klimaschutz verfechten,...

Gepostet von Dr. Lukas Köhler am Dienstag, 24. November 2020

Einig war sich Köhler mit der FFF-Pressesprecherin darin, dass Subventionen abgeschafft werden sollten. "Wir finden deswegen auch den Kohleausstieg viel zu teuer. Wir zahlen jetzt den Betreibern von Kohlekraftwerken viel Geld dafür, dass sie aussteigen. Dabei wird der CO2-Preis im Emissionshandel das sowieso deutlich schneller erledigen", so seine Begründung. 

Verkehrspolitisch sei das Ziel der Freien Demokraten politisch dafür sorgen, dass der Verkehr möglichst schnell CO2-frei möglich ist. Die Politik müsse zwar die Rahmen richtig setzen, "aber ich kann die Einzelnen nicht aus der Verantwortung lassen. Denn natürlich sind Konsumentscheidungen marktrelevant, das sieht man immer wieder, wenn ein Produkt boykottiert wird", appelliert Köhler an die Eigenverantwortung jedes Einzelnen

Bei der Frage nach der Vereinbarkeit von Klimaschutz und Wirtschaft ist die FFF-Sprecherin Bremer wie Köhler der Meinung, dass wir massive Änderungen in der Wirtschaft brauchen werden. Der FDP-Klimapolitiker ist sich aber sicher: "Mit den erneuerbaren Energien, die nach menschlichen Maßstäben unendlich sind, haben wir aber die Möglichkeit, neues Wachstum zu schaffen." 

Mit Blick auf die Zukunft ist Köhler deutlich optimistischer als Bremer: "Ich glaube, dass wir in zwanzig Jahren eine Welt gebaut haben werden, in der die allermeisten Produkte CO2-neutral hergestellt werden." Beispielsweise geht er davon aus, dass die Menschen weiterhin fliegen werden, aber eben nicht mehr mit Kerosin, das aus dem Boden geholt wird, sondern mit Kerosin, das in Marokko in einem riesigen Windpark hergestellt werde. "Und ich glaube, dass wir die weltweite Autoflotte von 1,2 Milliarden Fahrzeugen mit CO2-neutralen Kraftstoffen versorgen werden. Außerdem werden wir die Landwirtschaft so weiterentwickelt haben, dass sie wesentlich umweltfreundlicher produzieren kann", blickt Köhler zuversichtlich in die Zukunft.

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