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Zum Gedenken an Klaus Kinkel

Wolfgang Schäuble bei der Gedenkfeier für Klaus KinkelMit einer bewegenden Gedenkfeier im Hans-Dietrich-Genscher-Haus gedachten Freunde und Wegbegleiter Klaus Kinkel

Familie, Freunde und Wegbegleiter nahmen bei einer Gedenkfeier im Hans-Dietrich-Genscher-Haus Abschied von Klaus Kinkel. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, Außenminister Heiko Maas, der FDP-Parteivorsitzende Christian Lindner und FDP-Präsidiumsmitglied Michael Theurer erwiesen dem Verstorbenen die Ehre und erinnerten in ihren Reden an die Verdienste des ehemaligen FDP-Bundesvorsitzenden, Bundesjustizministers, Bundesaußenministers und Vizekanzlers.

Für Lindner waren es vor allem Ehrlichkeit, Loyalität und Pflichtbewusstsein, die Kinkel ausmachten. Dessen Ratschläge habe er stets geschätzt, seine dem Menschen zugewandte Art habe ihn beeindruckt, weshalb Kinkels Tod ihn auch persönlich tief bewegt habe. Dabei sei es Kinkel nie darum gegangen, Aufhebens um sich zu machen, betonte der FDP-Chef.

Nie habe Kinkel in der Öffentlichkeit Parteikollegen Ratschläge erteilt, selbst wenn er im Hintergrund Verbesserungsvorschläge oder Kritik zu üben hatte. Nach außen habe er stets die Linie der Partei entweder verteidigt – oder zumindest geschwiegen, wenn er anderer Meinung gewesen sei.

Einen „handfesten Macher“ nannte Schäuble seinen einstigen politischen Weggefährten, mit dem er in der schwarz-gelben Koalition die Wiedervereinigung Deutschlands in all ihren schwierigen juristischen Verästelungen mit dem Einigungsvertrag maßgeblich prägte. Schäuble würdigte den Verstorbenen als Mann der klaren Worte und als Mann der Tat.

„Kinkel nannte die Dinge beim Namen, das war seine Stärke“, sagte der Bundestagspräsident. Den Begriff Staatsdiener habe Kinkel im besten Sinne ausgefüllt. Ihm sei die Sache stets wichtiger gewesen, als er sich selbst. Das sei selten, besonders in der Politik, so der CDU-Politiker.

Auch der amtierende Außenminister Heiko Maas, der wie Kinkel ebenfalls Justizminister war, sprach vom früheren FDP-Politiker als einem Mann mit Haltung. Er sei immer ein Politiker mit klarem Kompass gewesen, sagte Maas. Im Auswärtigen Amt sei er nicht nur wegen seiner politischen Verdienste in Erinnerung geblieben. Er habe seine Mitarbeiter auch mit einer Fürsorge beeindruckt, die keine hierarchischen Unterschiede kannte. So sei dort nicht vergessen, dass Kinkel mitunter noch spät abends zum Hörer griff, um Botschaftsmitarbeitern in Krisengebieten Mut zuzusprechen, verbunden mit der Bitte: „Bub, pass auf Dich auf.“ Wer das Leben und Wirken von Klaus Kinkel betrachte, müsse konstatieren: „Er war ein feiner Kerl“, sagte Maas.

Michael Theurer, der FDP-Landesvorsitzende Baden-Württembergs, würdigte Kinkel als herausragenden Vertreter des Liberalismus aus dem Südwesten. Stets habe Kinkel von „seinem Landesverband“ gesprochen, und dies sei nicht nur so dahingesagt gewesen. Theurer erinnerte an eine Szene am Rande einer Sitzung der Landespartei. Kinkel sei danach in seinen Wagen eingestiegen, Passanten hätten gefragt: „Ist das der Kinkel?“ Worauf dieser sich die Zeit genommen habe, mit den Menschen zu plaudern. In diesem Moment habe sich nicht ein Politiker einem Bürger zugewandt, das sei ein Gespräch von Bürger zu Bürger gewesen, sagte Theurer. Auch das habe den Verstorbenen ausgemacht.

Neben Schäuble und Maas nahmen als Vertreter anderer Parteien mit Ralph Brinkhaus, Anton Hofreiter und Dietmar Bartsch auch die Fraktionsvorsitzenden von Union, Grünen und Linken an der Gedenkfeier teil.

Klaus Kinkel war am 4. März im Alter von 82 Jahren gestorben. Ab 1979 stand er an der Spitze des Bundesnachrichtendienstes (BND). Im Kabinett unter Bundeskanzler Helmut Kohl hatte er Anfang der neunziger Jahre zunächst das Amt des Bundesjustizministers inne. Von 1992 an war er als Nachfolger von Hans-Dietrich Genscher sechs Jahre als Bundesaußenminister tätig, ab 1993 auch als Vizekanzler. Von 1993 bis 1995 war Kinkel Bundesvorsitzender der FDP.

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