FDP, FraktionenKlimaschutz-Studie

Aufforstung von Wäldern ist der effektivste Klimaschutz

WaldAufforstung von Wäldern ist der effektivste Klimaschutz

Emissionen senken, Kohle- und Ölnutzung verringern - das sind wichtige Bausteine im Kampf gegen den Klimawandel. Die effizienteste Maßnahme zur Klimarettung bietet nach einer Studie aber die Natur. Darin kommen Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich zu dem Schluss, dass Bäume zu pflanzen das Potenzial habe, zwei Drittel der bislang von Menschen verursachten klimaschädlichen CO2-Emissionen aufzunehmen. Die Freien Demokraten sehen sich in ihrer Haltung bestätigt. Sie mahnen schon seit langem, als Beitrag zum Klimaschutz, Wälder zu erhalten und wieder aufzuforsten. "Spannender Vorschlag aus der Wissenschaft, der schnelles Handeln voraussetzt", kommentiert FDP-Chef Christian Lindner die Studie dementsprechend. Der FDP-Entwicklungspolitiker Christoph Hoffmann, der einzige Förster im Bundestag, wirft der Bundesregierung vor, "eine erfolgreiche, international angelegte Waldpolitik" zu versäumen, um das erwähnte Potenzial heben zu können.

Er führt im Interview mit der Badischen Zeitung aus: "Bäume wachsen in den Tropen fünf bis sieben Mal schneller als in unseren Breiten. Es gibt also gerade dort ein riesiges Potenzial, mit dem Erhalt von Wäldern und mit der Wiederaufforstung große Mengen Kohlenstoff zu speichern oder der Atmosphäre zu entziehen." Umso wichtiger sei es, dass die Bundesregierung eine international angelegte Waldpolitik verfolgt. Hoffmann setzt dabei auch auf technische Neuerungen, die ganz konkret vor Ort helfen.

Er hat ein konkretes Beispiel parat: "Zwei schwäbische Tüftler haben eine App entwickelt, mit der ein Bauer in den Tropen arbeiten kann." Er mache ein Foto vom Baum und erfahre beispielsweise, ob der Baum gesund ist, ob mit dem Wachstum alles stimmt oder wie er ihn versorgen sollte. Mit der App dokumentiere der Bauer, wie viele Bäume er pflanzt und bekomme dafür eine finanzielle Unterstützung direkt aufs Smartphone überwiesen", erläutert er die Funktionsweise der App. "Dieser Ansatz ist großartig. Denn Menschen schützen, was ihre Lebensgrundlage ausmacht."

Hoffmann ist sich bewusst, dass sich das Zwei-Grad-Ziel des Pariser Abkommens allein mit Aufforstung nicht erreichen lässt. "Nur wäre es grundverkehrt, deshalb gar nichts zu tun. Jeder Schritt hin zu mehr Klimaschutz ist absolut unverzichtbar." In diesem Zusammenhang stellt er einmal mehr klar, dass die Freien Demokraten - im Gegensatz zum gängigen Klischee - klare Vorstellungen zum Thema Klimaschutz vorzuweisen haben:  "Auf unserem Parteitag in April haben wir aber ein Konzept beschlossen, das mit wirtschaftlichen Instrumenten wie dem Emissionshandel den Klimaschutz voranbringt. Wir verbinden unsere traditionelle Stärke als Partei der wirtschaftlichen Vernunft mit dem Klimaschutz. So erreicht man viel mehr als mit dem Klimaschutzgesetz von Umweltministerin Schulze."

Hintergrund: Bäume können das Klima retten

Der Klimawandel kann einer Studie zufolge durch nichts so effektiv bekämpft werden wie durch Aufforstung. Die Erde könne ein Drittel mehr Wälder vertragen, ohne dass Städte oder Agrarflächen beeinträchtigt würden, schreiben Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich im Fachmagazin "Science". Dort zeigen die Forscher auf, wo auf der Welt neue Bäume wachsen könnten und wie viel Kohlenstoff sie speichern würden. Bäume zu pflanzen habe das Potenzial, zwei Drittel der bislang von Menschen verursachten klimaschädlichen CO2-Emissionen aufzunehmen.

Die Erde ist nach Angaben der Forscher derzeit mit 2,8 Milliarden Hektar Wald bedeckt. Sie halten die Neubepflanzung von 900 zusätzlichen Millionen Hektar für möglich. Das entspräche fast der Fläche der USA oder einer Fläche etwa 25 Mal so groß wie Deutschland. Die neuen Wälder könnten 205 Milliarden Tonnen Kohlenstoff speichern, wenn sie herangewachsen sind. Das sind etwa zwei Drittel der 300 Milliarden Tonnen Kohlenstoff, die seit der industriellen Revolution durch den Menschen in die Atmosphäre gelangten.

Kommentare (5)

Frank Rauen
14.07.2019 - 18:39
Es mag ein netter Marketinggag sein, wenn eine Biermarke ihren Absatz mit einem qm Tropenwald je verkauftem Kasten Bier ankurbeln will. Bringen tut das wenig. Wälder sind eine langfristige Investition in unsere Zukunft und werden daher von der Politik nicht sonderlich gefördert. Bringt keine kurzfristigen Erfolge und damit (angeblich) auch keine Wählerstimmen. Wenn Aufforsten, dann massiv hier in Deutschland. Unsere Wälder können wir kontrollieren und nachhaltig bewirtschaften. Gerade in Schleswig-Holstein haben wir großen Nachholbedarf. Die Verhältnisse in den meisten Staaten mit tropischen Wäldern sind politisch viel zu fragil, als dass wir auf die setzen oder gar in diese investieren sollten, siehe u. a. aktuell Brasilien. Zudem haben diese Länder ein existentielles Problem mit ihrem Bevölkerungswachstum, welches deren Anstrengungen voraussichtlich ins Leere laufen lässt! Wer hat eigentlich über die Grenzkosten je Tonne CO2 hier in D nachgedacht? Effizient? Wohl kaum.
Volker Rettkowski
12.07.2019 - 15:26
Warum wird der Regenwald so brutal abgeholst??? Was soll denn das Gerede von Auffrosten...
Gerhard Bleckmann
11.07.2019 - 12:26
Wie viel Wald wurde schon für Windräder vernichtet, wie viele Urwälder für Ökosprit geopfert. Der IPPC hat es in seinen Berichten empfohlen - den verstärkten Bau von Kernkraftwerken. Die Erneuerbaren werden als zu teuer und ineffektiv bezeichnet. Das aber, stand nicht in der Zusammenfassung für deutsche Politiker!. Was gab es Aufregung, als Greta für die Kernkraft warb, aber Schweden setzt weiterhin auf diese umweltfreundliche Energieerzeugung. Warum sperrt sich die FDP gegen die Kernkraft, wir wollen doch Technologie offen sein? Stattdessen verlieren wir an Wissen, auf dem wir mal führend waren. Irgendwann werden wir gezwungen sein, Kernkraftwerke aus Russland oder China zu beziehen und die müssen dann auch noch das Personal liefern. Armes Deutschland!
Peter Kaiser
11.07.2019 - 09:33
Mir gefällt die Diskussion um die Aufforstung der Wälder nicht. Alles geht nach dem Prinzip: Heiliger Sankt Florian schütze mein Haus, zünd andere an. Wir sollten uns mehr Gedanken darüber machen, wie wir im eigenen Land für Aufforstung sorgen können. In der BRD stehen viele bepflanzbare Flächen zur Verfügung, wie Ausgleichsflächen, Bürgerwälder, Parks, Anlagen und Gärten. Was nützt uns der Wald in Brasilien, wenn uns wegen fehlender Bäume und desolater Natur das Wasser ausgeht? Präsident Jair Bolsonaro wird von unseren Klimawünschen sehr beeindruckt sein! Wie auch Herr Trump! Nachbarn mit angrenzenden Gärten sollten in den Gärten gemeinsam Bäume pflanzen. Diese hilft nicht nur der Natur sondn auch der Nachbarschaft. Und das müssen nicht nur Waldbäume sein, Obstbäume tun es auch. Dazu sollte das Abholzen von Bäumen in Europa auf ein absolutes Mindestmaß beschränkt werden, viel zu oft werden Bäume nur gefällt, weil sie Dreck machen. Packen wir es endlich an, bevor es zu spät ist!
Markus Bunse
05.07.2019 - 16:46
Nun wird es höchste Zeit für eine "Anti-Greta"-Kampagne! Auf jeden Fall aber wieder für mehr Vernunft in der Klimapolitik.
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