FDP, FraktionenUmwelt- und Klimaschutz

Brauchen abgestimmte Bund-Länder-Wasserstoffstrategie

WasserstoffWasserstoff als Technologie der Zukunft könnten einen großen Beitrag zum Gelingen der Energiewende leisten.
29.01.2020

Seit langem kündigt die Bundesregierung eine Wasserstoff-Strategie für Deutschland an. Nun zeigt eine von den deutschen Fernleitungsbetreibern entwickelte Netzkarte, wie eine deutschlandweite Wasserstoff-Infrastruktur aussehen könnte. Mit dieser Karte wollen sie zu der noch ausstehenden Wasserstoff-Strategie der Bundesregierung beitragen und verdeutlichen, wie dieser Wirtschaftsbereich künftig funktionieren könnte. "Für uns zeigt das, dass in vielen Fragen die privaten Akteure, die Wirtschaft, weiter sind als die Politik", moniert FDP-Chef Christian Lindner und kritisiert den Bundeswirtschaftsminister: "Peter Altmaier spricht zwar oft und viel über eine nationale Wasserstoff-Strategie. Allein, es gibt sie nicht."

Ursprünglich war die Strategie für Ende 2019 angekündigt. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier  rechnet derzeit damit, "dass wir in den nächsten sieben bis acht Wochen diese Strategie ins Kabinett bringen können". Christian Lindner ist gespannt: "Wir sehen noch nichts."

FDP-Energiepolitiker Martin Neumann sieht die GroKo nun erst recht in der Pflicht: "Gaswirtschaft und Wasserstoffforschung führen der Bundesregierung deutlich vor Augen, wie die Energiewende funktionieren kann: schnell, zielgenau und effizient. Die Energiewirtschaft wäre im Technologie-Wettbewerb längst abgehängt, wenn sie auf die Große Koalition warten würde." Bund und Länder müssten nun handeln und die Wasserstoff-Initiative mit konkreten Maßnahmen unterstützen. Dazu gehört nach Ansicht der Freien Demokraten eine "abgestimmte Bund-Länder-Wasserstoffstrategie, eine Reform des Abgabensystems auf Strom und die noch immer ausstehende Reform der Besteuerung von Speichern." So könne Wasserstoff als Technologie der Zukunft einen großen Beitrag zum Gelingen der Energiewende leisten.

Lindner erinnerte in diesem Zusammenhang an die parlamentarische Initiative der FDP-Fraktion, mit der sie bereits vor einigen Monaten im Bundestag aufgezeigt hat, wie Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe aus erneuerbaren Energien in einem größeren Maßstab, in einem industriellen Maßstab einen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten könnten.

Wasserstoffstrategie muss elementarer Bestandteil eines Klimapakets sein

Nach Überzeugung der Freien Demokraten müsste eine Wasserstoffstrategie elementarer, zentraler Bestandteil des Klimapakets sein: "Wir schlagen konkret vor, dass die Bundesregierung Wasserstoff gleichberechtigt behandelt, beim Ausbau von Infrastrukturen mit den batterieelektrischen Antrieben. Also konkret: Wer E-Ladesäulen fördert, der muss auch Wasserstofftankstellen bauen", so Lindner.

Der FDP-Vorsitzende forderte, über die KfW-Bankengruppe und die Europäische Investitionsbank ab 2021 jährlich 500 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen, um Anreize für private Investitionen in die industrielle Produktion von grünem Wasserstoff in Südeuropa und in Nordafrika zu schaffen. Dieser sei heute schon wettbewerbsfähig.

Um die Wasserstoffwirtschaft in Deutschland in Gang zu bringen, müsse die Bundesregierung Wasserstoff genauso fördern wie elektrische Antriebe in der Automobilwirtschaft: "Wir wollen, dass auch die Flottengrenzwerte für CO2 im Automobilbau auf der europäischen Ebene aktualisiert werden und die Wasserstofftechnologie angemessen und fair berücksichtigen."

Kommentare (3)

José Gomes
13.03.2020 - 23:49
@Mein lieber MB, wir haben den 13. März 2020 und der Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromversorgung seit Anfang Januar beträgt 54,1%. Sie haben recht, die Sonne scheint nur tagsüber - wenn sie auch gebraucht wird - und der Wind weht jedes Jahr mit verlässlichen Mittelwerten aber seine tägliche Erscheinung lässt sich frühestens 2 Wochen vorher abschätzen. Deshalb wird Wind- und Solarenergie auch nur ca. 80% des Strombedarfes decken. Die anderen 20% der Jahresstromerzeugung müssen aus Wasserkraft, Biomasse und Erdgas sowie Öl kommen, die aber immer nur dann liefern, wenn Wind und Sonne es nicht ausreichend tun. Aus Erdgas und Öl werden durchschnittlich nur 7% des Jahrestroms kommen, aber dafür ca. 60% der gesicherten Leistung. Die restlichen 40% der gesicherten Leistung stammen aus Wind, Sonne, Biomasse und Wasserkraft, wobei Wind und Sonne nur 13% an gesicherter Leistung zu jedem Zeitpunkt liefern können. Das sagen die statistischen Daten.
MB
20.02.2020 - 11:56
@ Jose Gomes Sie scheinen es noch nicht bemerkt zu haben, dass die Sonne nachts nicht scheint und der Wind auch nicht immer da ist. Der Strom, von dem Sie schreiben, ist somit auch nicht kontinuierlich verfügbar. Schade um die tollen Neubauten der Zukunft, die zwar einen Stromanschluss haben, aber trotzdem im Dunklen sitzen und frieren werden! Kurzum, den grünen Strom werden wir zwischenspeichern müssen und Wasserstoff ist ein mögliches Medium dafür.
José Gomes
30.01.2020 - 14:15
Sehr geehrter Herr Lindner, es wird nie eine konsistente Wasserstoff oder Synfuelstrategie geben, weil sich kein privater Nutzer dafür interessiert. Raumwärme und Mobilität werden elektrisch und Synfuels für Flugzeuge, Schiffe und sehr schwere Landfahrzeuge werden im Ausland hergestellt. Bei Neubauten (Wohngebäuden) wird es ab 2025 nur noch einen Stromanschluss geben. Nicht weil die Politik dies verlangen würde, sondern weil es wirtschaftlich keinen Sinn mehr macht, einen Gasanschluss zu legen. Mit freundlichen Grüßen J. Gomes

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