FDP, FraktionenErwägungen der EU

Der Abschied vom Kleingeld?

Kleingeld-BargeldOb die Cent-Stücke in Zukunft abgeschafft werden, will die EU-Kommission untersuchen und prüfen lassen.
30.01.2020

Ein Entwurf der neuen EU-Kommission sieht die Abschaffung von Kleinmünzen vor. Diesem Vorschlag müssten die Mitgliedsstaaten mehrheitlich zustimmen, damit künftig an der Supermarktkasse krumme Cent-Beträge gerundet werden. Der FDP-Finanzexperte Otto Fricke stellt fest: "Über die Abschaffung von kleinen Münzen lässt sich sicher streiten, eine Abschaffung des Bargeldes wäre jedoch keinen Cent wert." Bargeld sei geprägte Freiheit und ermögliche zum Beispiel ohne staatliche Kontrolle und Überwachung Geld aufzubewahren. 

In Irland, Italien, Belgien und den Niederlanden wird bereits gerundet. Drei-, Vier-, Acht- und Neun-Cent-Beträge werden auf-, die anderen abgerundet. Selbes gilt, mit Ausnahme von Belgien, auch bei der Kartenzahlung. Einheitliche Rundungsregeln könnten künftig für die gesamte Währungsunion gelten und das Kleingeld aus den Portemonnaies verschwinden. "Ich bin dafür, die unnützen kleinen Münzen abzuschaffen", meint Florian Toncar, finanzpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion. Fast alles könne man auch in Fünf-Cent-Abständen bepreisen. Außerdem würde die Herausgabe der Cent-Beträge den gesamten Bezahlprozess verlangsamen und "die Händler müssen sich ständig mit kleinstem Kleingeld eindecken, um die Differenz herausgeben zu können", so Toncar. "Stattdessen kann ein Verschwinden dieser Münzen Bargeldzahlung erleichtern", sagt er. Diese Meinung vertritt auch die Mehrheit aller Bürgerinnen und Bürger, die sich beim Eurobarometer 2017 für die Abschaffung der Münzen aussprachen.

Die Abschaffung der Kleingeld-Münzen habe mehrere Vorteile: Zum einen übersteigen die Herstellungskosten ihren eigentlichen Wert. Es sind Unmengen an Münzen im Umlauf, die nur einmal Verwendung finden und somit Umwelt-Kosten verursachen. Laut Europäischer Zentralbank (EZB) steigt der Anteil aller geprägten Cent-Stücke jährlich. Zum anderen spricht sich die Mehrheit aller Bürger gegen die Geldstücke aus. Auch die Jungen Liberalen haben "genug von Kleingeld". Zumal andere Länder mit der Abschaffung bereits gute Erfahrungen gemacht haben. Der haushaltspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Otto Fricke, stellt allerdings klar: "Der Verzicht auf 1 und 2 Cent Münzen ist mit mir nur zu machen, wenn von der Leyen klar erklärt, dass dies kein Einstieg in die Bargeldabschaffung ist."

Bargeld als Teil der Freiheit

Fricke ist für den Erhalt des Bargeldes. "Mit Bargeld zu bezahlen, bedeutet auch, Geld physisch zu übergeben. Dabei wird man sich der eigenen Ausgaben und dem Wert des Geldes sehr bewusst."  Am wichtigsten sei jedoch "die Privatsphäre, die wir ohne Bargeld verlieren. Daten darüber, wer wo was kauft, sind für Unternehmen und den Staat, viel wert." Bargeld ist für die Freien Demokraten ein Teil unserer Freiheit. Es ermöglicht uns, zum Beispiel ohne staatliche Kontrolle und Überwachung Geld aufzubewahren und Geschäfte ohne Bankgebühren abzuschließen.

Otto Fricke räumt zwar ein, dass sich über die Abschaffung des Kleingeldes zwar streiten lässt und die Niederlande, die 2004 bereits diesen Schritt gegangen sind, davon nicht untergingen. Aber: "Passen wir nicht auf, könnte aus der vermeintlich pragmatischen Abschaffung der kleinsten Münzen und größten Scheine eine Abschaffung des Bargeldes an sich werden. Dazu darf es nicht kommen."

Ob und wann der letzte Cent geprägt wird, ist noch nicht entschieden. Die Pläne liegen zwar in der Schublade. Vor einer Abschaffung von Ein- und Zwei-Cent-Münzen will die EU-Kommission aber erst noch die Folgen untersuchen und prüfen. 

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