Stiftung9. November

Ein Tag der Erinnerung

Mauer in Berlin

Der 9. November ist in der deutschen Geschichte mit unterschiedlichen und widersprüchlichen Erinnerungen verbunden. Stiftungsexperte Jürgen Frölich blickt zurück. Gerade Liberale, denen der 'historische Optimismus' eigentlich angeboren sei, täten sich schwer mit der Wertung des 9. Novembers, so Frölich.

Schon vor Beginn des 20. Jahrhundert habe der Tag für die Liberalen eine große Bedeutung gehabt. Allerdings kam wurde er erst durch den 9. November 1938 für ganz Deutschland zu einem Tag der Schande. Liberale sahen dem antijüdischen Gewaltausbruch der "Reichspogromnacht" hilflos oder stumm zu, sofern sie nicht selbst betroffen waren oder wie beispielsweise Thomas Dehler versuchten, im Rahmen ihrer Möglichkeiten Unterstützung für die Bedrängten zu leisten, so der Stiftungsexperte.

Erst den nach Freiheit strebenden Kräften in der DDR sei es zu verdanken, "dass es seit 1989 anders ist und der 9. November auch für die freiheitlichen Traditionen Deutschlands steht", verdeutlichte Frölich. "Dennoch ist es sicherlich richtig gewesen, die so glücklich wiedererlangte Einheit der Deutschen nicht demonstrativ am 9. November 1990 zu vollziehen und daraus dann einen dauerhaften Feiertag zu machen. Denn das hätte ein unbeschwertes Erinnern an die spektakulären Ereignisse der Wiedervereinigung verhindert."

Lehren des 9. November nicht vergessen

Im Zusammenspiel mit dem Tag der Deutschen Einheit sollte der 9. November ein inoffizieller, stiller Gedenktag sein, an dem sowohl an die Kraft der Freiheit als auch ihre immer wiederkehrende Bedrohung erinnert werde, so Frölich Plädoyer. "Somit wäre der 9. November sicherlich kein liberaler Feiertag, wohl aber ein Gedenktag für den Wert der Freiheit."

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