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Kooperation bei Grenzkontrollen dringend geboten

FlüchtlingsbootDie EU versucht, mithilfe Drittstaaten die Migrationsströme im Mittelmeerraum einzudämmen

Im Interview mit freiheit.org hat Migrationsexperte Roderick Parkes über die Zusammenarbeit der EU mit Drittstaaten in der Flüchtlingskrise gesprochen und Lösungsansätze erörtert. Durch die Kooperation mit wichtigen Herkunfts- und Transitländern in Afrika hoffe die EU, schnell Menschen zurückführen und die irreguläre Migration einschränken zu können. Die Vorteile dieser Partnerschaften würden sich jedoch erst langfristig zeigen, gab Parkes zu bedenken. "Wir können uns da etwas von den Spaniern abschauen, die Mitte der 2000er Jahre die Migration von Westafrika auf die Kanaren managen mussten. Sie scheinen es geschafft zu haben, kurzfristige und langfristige Ziele gleichermaßen im Blick zu behalten", erläuterte er.

Grenzkontrollen seien ein legitimes Ziel, das nur durch die Zusammenarbeit von Regierungen auf beiden Seiten der Grenze erreicht werden könne, so Parkes weiter. "Ende 2015 erkannte die EU, dass die Türkei ebenfalls daran interessiert ist, ihre Grenzen wieder unter Kontrolle zu bringen", erklärte er mit Blick auf das EU-Türkei-Abkommen. Allerdings verbreiteten einige NGOs in der EU das Gefühl, dass die EU unmoralisch agiere und Ankara einseitig besteche. "Das hat es wiederum der Türkei ermöglicht, den Spieß umzudrehen und zu drohen, eine Welle von Migranten auf Europa loszulassen, wenn wir keine Zugeständnisse machen", konstatierte er. Parkes stellte jedoch klar: "So eine Entscheidung würde auch in der Türkei Chaos auslösen."

Der Migrationsexperte rät die EU dazu, die Erfahrungen mit der Türkei im Blick zu behalten, wenn es um die Zusammenarbeit in Tunesien und Marokko geht. Darüber hinaus gelte es, ganzheitliche Strategien in der Region zu verfolgen. "Man müsste Druck auf die benachbarten Golfstaaten ausüben, damit diese sich ein wenig mehr für Migration vom Horn von Afrika öffnen und Wanderarbeiter besser behandeln. Oder eben andere geschickte Lösungen finden", führte er aus.

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