FDPStreit um den Incirlik-Standort

Unhaltbare Situation in Incirlik beenden

PanzerBundeswehr-Soldaten und die Tornados vom Standort abziehen

In der Debatte um das Besuchsverbot für deutsche Politiker in Incirlik attackiert der Vizepräsident des Europarlamentes, Alexander Graf Lambsdorff, die Bundesregierung. Gegenüber der Funke-Mediengruppe sprach er von einer unhaltbaren Situation. Die Regierung habe es versäumt, rechtzeitig nach Alternativen zu Incirlik zu suchen. Lambsdorff betonte: "Die Haltung der Bundesregierung kann nur sein, die unhaltbare Situation in Incirlik zu beenden und die Bundeswehr-Soldaten und die Tornados von diesem Standort abzuziehen."

Er kritisierte, die unterschiedlichen Signale von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Sigmar Gabriel in dieser Angelegenheit vor dem Nato-Gipfel am Donnerstag "schwächen die deutsche Position und bestärken nur den türkischen Präsidenten Erdogan darin, seine unberechenbare Politik fortzusetzen". Die Bundesregierung müsse beim Nato-Gipfel mit einer Stimme sprechen. Es sei naiv zu glauben, nach dem Nato-Gipfel würde Erdogans Kurs verlässlicher. "Er will ja unberechenbar sein. Schon beim nächsten begründeten Asylantrag eines türkischen Offiziers stünden wir vor dem gleichen Problem", sagte der FDP-Politiker. "Die Bundeswehr ist eine Parlamentsarmee, deshalb muss der Bundestag die Soldaten verlässlich besuchen können", betonte Lambsdorff.

Im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung machte er deutlich: Die Türkei-Politik der Großen Koalition ist auf ganzer Linie gescheitert. Bei den Propaganda-Auftritten für die Abschaffung der Demokratie hat Frau Merkel herumgeeiert anstatt klare Ansagen zu machen. Und Sigmar Gabriel hält es noch heute für eine gute Idee, mit der Türkei weiter über einen Beitritt zu verhandeln, den es nie geben wird."

EU-Mitgliedschaft steht nicht mehr zur Debatte

Schon zuvor hatte Christian Lindner im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland erklärt: "Das Verhalten der Türkei ist eine schwere Störung der Zusammenarbeit in der Nato. Eine Verlegung unserer Truppen halte ich für zwingend." Lindner forderte von Union und SPD einen Politikwechsel im Umgang mit der Türkei. "Die Bundesregierung sollte ihre Türkeipolitik neu ordnen", stellte er klar. Die Verhandlungen über einen EU-Beitritt der Türkei können seiner Ansicht nach abgebrochen werden: "Eine EU-Mitgliedschaft steht nicht mehr zur Debatte."

Kommentare (3)

Sven Dahmen
24.05.2017 - 06:44
Die Stationierung in der Türkei erfolgte nicht, um damit der Türkei einen Gefallen zu tun oder als touristische Destination für 'Hinterbänkler', die für den Wahlkampf noch Bilder "mit den Jungs von der Truppe" brauchen. Anlass ist eine aktive Beteiligung am Kampf gegen den IS (UN-Res.2249) , um damit unerträgliche Verletzungen von Menschen und deren Rechten entgegenzuwirken... "Fluchtursachen bekämpfen" im besten Sinne. Auch wenn dies - man muss sich als Deutscher dafür schämen - mal wieder nur "in zweiter Reihe" durch "unterstützende" Leistungen erfolgt, darf dies nicht durch Verlegung oder Rückzug in Frage gestellt oder unterbrochen werden...es ist schon wenig genug. Sollte ein Rückzug - als reines Signal an die Türkei - zu vermehrten Opfern in Syrien führen, sollten sich alle Verantwortlichen eingeladen fühlen, den Opfern und Angehörigen zu erklären, weshalb "parlamentarische Kontrolle" nicht übergangsweise auch aus der Ferne stattfinden kann.
Dr. Baldur R. Ebertin
23.05.2017 - 20:16
In der Tat, wir können uns von diesem Diktator nicht weiter "auf dem Kopf herumtanzen" lassen. Sofortiger Abzug unserer Soldaten dringend notwendig. Aber wie bringen wir unsere Journalisten aus dem Gefängnis heraus? Nach meinem Dafürhalten sofort keinerlei Zahlungen mehr an die Türkei, keine Touristen mehr in die Türkei, Flüge unserer deutschen Flugzeuge so weitgehend wie möglich reduzieren. Aber den Türken in Deutschland deutlich machen, daß Sie nach wie vor als Bürger unseres Landes willkommen sind, wenn sie sich mit unserem Land und seiner Politik identifizieren können. Herzliche Grüße! Dr. Baldur R. Ebertin, Bad Wildbad.
Karin Rosenberg
23.05.2017 - 13:53
Die CDU Bundesregierung und Frau von der Leyen haben hier absolut versagt. schon nach dem 1. Besuchsverbot haetten Anstrengungen unternommen warden muessen, im Wiederholungsfall in der Lage zu sein, sofort zu reagieren

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