FDPDebatte über Sexismus

Wegschauen darf nicht zum gesellschaftlichen Konsens gehören

Katja SudingKatja Suding findet es wichtig, sich gegen "dumme Sprüche" zu wehren
23.10.2017 - 15:30

FDP-Partei-und Fraktionsvize Katja Suding hat sich in die durch die #Metoo-Kampagne ausgelöste Debatte über Sexismus eingeschaltet. Viele Frauen berichten unter dem Hashtag von Übergriffen auf der Straße, in Bussen oder Bahnen. Suding mahnt: "Wegschauen darf hier nicht zum gesellschaftlichen Konsens gehören."Anders als die zwei SPD-Politikerinnen Barley und Nahles glaubt sie nicht, dass schärfere Gesetze weiterhelfen. Vielmehr muss es uns allen darum gehen, Hemmnisse und Hürden abzubauen, damit Sexismus auch tatsächlich zur Anzeige gebracht und geahndet wird."

Der Aufschrei über die Missbrauchsvorwürfe gegen den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein, die MeToo-Initiative, in der Frauen in den USA über ihre erniedrigenden Erfahrungen berichten, hat auch hierzulande eine hitzige Debatte losgetreten. Bundesfamilienministerin Katarina Barley beklagt nun, dass Frauen auch in der deutschen Politik häufig mit Bemerkungen über ihr Äußeres und ihr Auftreten sexuell erniedrigt werden. Sie fordert neue Gesetze. FDP-Vize Katja Suding sieht die "MeToo"-Initiative als wichtigen Vorstoß, Sexismus in Deutschland zu debattieren und und zu sensibilisieren. "Es gibt klare Grenzen, die nicht verhandelbar sind." Schärfere Gesetze, wie sie Familienministerin Barley forderte, "helfen allerdings nicht weiter", sagte Suding und sieht keinen Handlungsauftrag für die Jamaika-Koalitionäre.

Bewusstsein entwickeln

Schon zuvor hat Suding Position bezogen. Sie selbst wehre sich gegen "dumme Sprüche", sagte Suding in der Debatte über Sexismus-Vorwürfe in der Berliner CDU. Wer das nicht könne, müsse "solidarisieren und Hilfe suchen". Jungen Frauen müsse vermittelt werden, dass sie sich gegen sexistische Übergriffe wehren dürften. Frauen müssten das Bewusstsein entwickeln, "da auch Grenzen zu setzen."

Kommentare (1)

Frank Rauen
25.10.2017 - 13:32
Vor allem gilt Eines: wer sich belästigt fühlt, sollte dies u n m i t t e l b a r zum Ausdruck bringen. Das gilt übrigens für beide Geschlechter. Dies zeitversetzt zu tun, erst recht wie im aktuellen Fall aus den USA, muss sich die Frage gefallen lassen, warum teils jahrelang damit gewartet wurde. Taktische Gründe, will heißen Karriererisiken aus dem Weg zu gehen, untergraben die Glaubwürdigkeit! Unsere spezifisch deutsche Diskussion darüber wird am besten mit der Aussage von Frau Birgit Kelle demaskiert: "...Kein Anlass nichtig genug, um auf einen Zug aufzuspringen, der sich medial hypen lässt. Alles Bärendienste, die für die Schwestern, die in echter Not nicht mehr ernst genommen werden angesichts der Banalitäten, die gleichzeitig mit durchs Dorf getrieben werden" (Essay, WELT v. 24.10.17). Wir sollten die Aufgeregtheiten wie die von Frau Barley oder Frau Chebli nicht überbewerten. Wer redet eigentlich über die teils haarsträubenden Verhältnisse in unseren Parallelgesellschaften?
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