FDPBauernproteste

Wer das Land ernährt, verdient Respekt

Traktoren-KonvoiDeutsche Landwirte verdienen faire Wettbewerbsbedingungen auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Bundesweit gingen Bauern am Dienstag gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung auf die Straße. Sie demonstrieren gegen das Agrarpaket der Bundesregierung und das "Bauern-Bashing" im Land. Die Freien Demokraten haben dafür volles Verständnis. "Die ständige Diffamierung der Landwirtschaft muss aufhören. Denn wer das Land ernährt, verdient Respekt", sagt beispielsweise Thüringens FDP-Generalsekretär Robert-Martin Montag. Volker Wissing, derzeit Vorsitzender der Agrarministerkonferenz, sagt, die Landwirte fühlten sich missverstanden. In der aktuellen Bundesregierung klafften zudem die Interessen von Stadt und Land immer weiter auseinander. Er habe deshalb vorgeschlagen, einen nationalen Agrar- und Klimarat ins Leben zu rufen.

Bauernbashing führt zu Ärger und Frustration

Denn das, "was die Bundesregierung hier betreibt, folgt populistischen Interessen, aber differenziert nicht genug". Es könne nicht "in Berlin von oben" irgendetwas beschlossen werden, ohne sich Gedanken zu machen, wie dies in den Betrieben vor Ort ankomme, so Wissing im Interview mit dem inforadio. Die Landwirte täten vieles für den Insektenschutz, sagte Wissing - doch ihre Anstrengungen würde nicht gesehen. Deshalb fühlten sich die Menschen nicht ernst genommen von der Politik, so der FDP-Politiker.

"Wir müssen gemeinsam mit der Landwirtschaft Insektenschutz und Natur- und Umweltschutz vorantreiben." Ebenso müssten sie bei den Anstrengungen für Klima- und Naturschutz finanziell unterstützt werden. "Wenn am Ende gar keine Landwirtschaft mehr vorhanden ist, ist niemandem gedient." Würden die deutschen Landwirte in den Ruin getrieben, wäre der Import von Waren aus dem Ausland keinesfalls eine umweltfreundliche Alternative, so Wissing.

Agrapakt vernichtet landwirtschaftliche Betriebe

Mit Blick auf das zweite große Problem, der Nitratbelastung, erinnert Wissing daran, dass die Bauern auch daran etwas ändern wollen: "Sie wollen aber die Chance bekommen, dabei als Betriebe zu überleben. Und genau dazu braucht man eine ganz präzise Regulierung." Man müsse differenziert vorgehen. Und das könne man am besten, wenn man die große Fachkompetenz in diesem Bereich mit ins Boot holt. "Und die liegt nun mal nicht bei den Stadtbewohnern, sondern sie liegt auf dem Land bei den Bäuerinnen und Bauern selbst."

Die mangelnde Differenzierung gefährde landwirtschaftliche Betriebe in ihrer Existenz. "Und offensichtlich ist die Bundesregierung weder willens noch in der Lage, diese Differenzierung in die Regulierung zu übernehmen", ist Wissing ungehalten. "Deswegen brauchen wir Fachkompetenz am Tisch. Wir brauchen Einigkeit über die Ziele. Aber dann brauchen wir auch Sach- und Fachkompetenz bei der Umsetzung. Dieser Rasenmäher vernichtet landwirtschaftliche Betriebe, und das wird nicht gut sein für die Umwelt."

Kommentare (1)

Dr. Joachim Poesch
23.10.2019 - 16:22
Gut dass Bauern für ihre Ehre streiten. Die dauernde Krittelei durch Leute, die noch nie eine Kuh gestreichelt haben, geht auf die Nerven. Gleichzeitig wollen Konsumenten Schnitzel, Gurken und Ananas, die gut aussehen, schmecken und wenig kosten. Das Problem der Politik ist, dass sie zumeist nur in 2 Dimensionen denkt: Verbieten oder subventionieren. Beispiel Düngung: Mein bäuerlicher Freund sagt mir: Käufer wollen große, grüne, feste, glänzende Gurken, keine schlappen, schrumpeligen wie in der Natur. Leider nimmt die die Pflanze nicht allen Dünger auf. Ich muss überdüngen oder sehr hohen Öko-Aufwand treiben, den mir keiner bezahlt. Eigentlich ist das ein Problem der Grundstoffchemie, der Naturwissenschaft. Die Bioverfügbarkeit müsste effektiver werden. Statt Düngung zu verbieten: Einen Preis für die Lösung des Problems aussetzen. Forschungskooperationen stärken. Anreize schaffen: Zertifikatehandel für Nitrate?

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