FraktionenHeilpraktikerausbildung

Patientensicherheit verbessern

Susanne SchneiderSusanne Schneider stößt Debatte über die Heilpraktikerausbildung an
09.09.2016

Nach den Todesfällen von Patienten einer alternativen Praxis in Brüggen stößt die FDP-Landtagsfraktion eine Debatte über die Heilpraktikerausbildung an. "Heilpraktiker dürfen in Deutschland ohne geregelte Ausbildung und ohne Überprüfung von Qualitätsstandards eigenverantwortlich Patienten behandeln", sagt Susanne Schneider, gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion. Die FDP möchte die Patientensicherheit erhöhen und fordert die Landesregierung auf, die Anforderungen für die Berufsausübung von Heilpraktikern zu erhöhen. Die Initiative wird kommende Woche im Landtag beraten.

Rechtsgrundlage für die Tätigkeit von Heilpraktikern ist ein vor 77 Jahren in Kraft getretenes Gesetz, dessen Umsetzung auf Länderebene erfolgt. In NRW erteilen die örtlich zuständigen Kreise und kreisfreien Städte die Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde. Schneider: "Ein Mindestalter von 25 Jahren, ein Hauptschulabschluss, fehlende Vorstrafen und das Bestehen einer einmaligen Prüfung medizinischer Grundkenntnisse reichen aus, um praktizieren zu dürfen. Ein Arzt benötigt hingegen ein sehr gutes Abitur, ein sechsjähriges Medizinstudium sowie eine Facharztweiterbildung bevor er sich in einer eigenen Praxis niederlassen darf."

Geregelte Qualitätskontrollen fehlen

Geregelte Qualitätskontrollen oder Weiterbildungspflichten gibt es für zugelassene Heilpraktiker ebenfalls nicht. Dennoch dürfen sie Injektionen setzen oder offene Wunden behandeln, Aderlass oder Eigenbluttherapie durchführen. "Therapeuten mit zweifelhaften Qualifikationen dürfen schwerwiegende Erkrankungen wie zum Beispiel Krebsleiden behandeln. Dabei verzichten Patienten im Vertrauen auf den Heilpraktiker oft auf die eigentlich angezeigte schulmedizinische Therapie", zeigt sich Schneider besorgt.

 

FDP fordert Neuregelung des Heilpraktikergesetzes

Die FDP-Fraktion sieht dringenden Handlungsbedarf, um die Sicherheit für die Patienten zu erhöhen. Die Freien Demokraten fordern daher, dass die Anforderungen an die Erlaubniserteilung für Heilpraktiker erhöht werden und ihnen invasive Eingriffe untersagt werden.

Zudem soll sich die Landesregierung auf Bundesebene dafür einsetzen, dass verbindliche Pflichten zur Qualitätskontrolle und Weiterbildung für Heilpraktiker eingeführt werden und eine Neuregelung des Heilpraktikergesetzes verabschiedet wird, die durch den Abschluss eines Studiums oder einer Ausbildung in einem Gesundheitsberuf nachgewiesene medizinische Kenntnisse voraussetzt.

Einen eigenständigen Heilberuf lehnt die FDP hingegen ab. Schneider dazu: "Wissenschaftlich nicht überprüfbare Methoden und Therapieformen können keine Grundlage für eine akademische oder schulische Ausbildung von Heilpraktikern sein."

Kommentare (2)

Richard Lehmann
18.02.2017 - 19:47
Auch ich sehe es so, dass die Ausbildung der Heilpraktiker durch Hospitation ergänzt werden sollte, der Ruf nach Qualitätssicherung ist nicht grundlos. Frau Schneider wertet allerdings das Niveau der amtsärztlichen Prüfung für die Heilerlaubnis als lapidares Grundwissen ab. Ein Medizinstudium erfordert zwar mehr Detailwissen, dennoch ist der Vergleich haltlos und nur ein Bruchteil erlangt überhaupt die Heilerlaubnis. Zudem stürzt sich die Öffentlichkeit gern auf die Fehler der Alternativtherapie. Versagen in der Schulmedizin? Ich kenne selbst genug Fälle, wo Patienten durch Fehldiagnose und falsche Therapien sehr geschädigt wurden. Wird so etwas angezeigt, erledigt sich das nicht selten durch ein kleines Bußgeld. Abschließend: Homöopathie und Akupunktur war laut Schulmedizin so lange Scharlatanerie, bis klar wurde, dass viele Patienten so etwas wünschen und sich damit Geld verdienen lässt. Plötzlich taugten diese Methoden doch etwas. Komisch, nicht wahr?
marie müller
14.09.2016 - 20:59
Da hat der Schreiber des Artikels durchaus wichtige Informationen weggelassen. Unsauber und in die Irre führend! Ärzte mögen eine lange Ausbildung haben, faktisch können sie bereits im frühen Studium -ohne abgeschlossene Ausbildung oder größerees anatomisches Wissen -in Praktika an den Patienten invasiv arbeiten- Genauso wie Krankenschwestern oder Arzthelferinnen. Das ist normal. Diabetikern und anderen chronisch Kranken wird zugetraut, sich selbst Spritzen zu verabreichen. Wissenschaftlich nicht überprüfbare Methoden? Ist schon einmal jemand von Homoöpathie gestorben.? Und - ja- es gibt Vorfälle, in denen Menschen sich auf Treu und Glauben auf falsche Aussagen verlassen haben- Nur haben die Ärzte und die Pharmaindustrie das Glück, das Versagen an dieser Stelle als Kollateralschaden gilt. Und: die Schulmedizin ist längst ein Wirtschaftszweig mit voller absicht einkalkulierten Krankheiten,und Nebenwirkungen geworden um des Profits Willens geworden.
Social Media Button