FDPKreuze in bayerischen Behörden

Staat und Kirche gehören getrennt

Symbolbild: Ein WandkreuzSymbolbild: Ein Wandkreuz

Der bayerische Ministerpräsident will ab dem 1. Juni in jeder staatlichen Behörde in Bayern ein Kreuz anbringen lassen. Damit instrumentalisiert Markus Söder die Religion für parteipolitische Zwecke, mahnt FDP-Chef Christian Lindner: "Das erinnert geradezu an Erdogan." Söder vergesse dabei jedoch ein Grundprinzip unseres Staates: Die Säkularität der Bundesrepublik. "Das Grundgesetz hat keine Konfession", erinnert deshalb Lindner den bayerischen Ministerpräsidenten bei seinem Vorhaben.

Laut Söder sei das von ihm symbolträchtig angebrachte Kreuz in der bayerischen Staatskanzlei kein Zeichen einer Religion, sondern ein "Bekenntnis zur Identität Bayerns". Leider scheint er dabei übersehen zu haben, dass genau dieses Kreuz katholisch geweiht und evangelisch gesegnet wurde.

In einem säkularen Staat, der die Religionsfreiheit im Grundgesetz festlegt, darf und soll keine Religion über eine andere gestellt und erst recht nicht für die Politik instrumentalisiert werden. Der bayerische Ministerpräsident widerspricht mit seinen Forderungen eben diesen Werten und dem Neutralitätsgebot deutscher Staatsorgane. (fk)

Kommentare (10)

Bärbel Ullrich
04.05.2018 - 10:00
Christentum kann nicht staatlich verordnet werden, auch nicht in Bayern. Das ist eine sehr persönliche Entscheidung eines jeden Menschen, ob er Christ sein möchte oder nicht. Ein Kreuz gehört deshalb nicht in eine Behörde oder in andere öffentliche Gebäude und darf auch nicht politisch mißbraucht werden. Was daraus entstehen kann, hat uns ja unsere eigene Geschichte deutlich gezeigt. Deshalb bin ich als gläubiger Mensch gegen eine solche Vorschrift!
Heil
04.05.2018 - 09:43
Ich finde brachen auch in Bayern bessere Nahverkehrsanbindungen, ein modernes Internet und eine schnell und schlanke Verwaltung, und keine Nebelkerzen und dass kann die CSU seit 70 Jahren nicht leisten. Aber kreuze in Amtstuben , da ist nur Schwachsinn . Die CSU sollte die Wahren Probleme lösen , aber dass kann Sie halt nicht.
Dr. Grgeor Kalivoda
03.05.2018 - 23:57
Soeders Dekret der Kreuzaufhängung in amtlichen Bereichen ist wohl weniger durch tiefe Gläubigkeit motiviert, sondern eher einer populistischen Strategie der Wählergewinnung geschuldet. Religiöse Symbole gehören in Kirchen und Tempel, in denen Gläubige welcher Konfession auch immer ihre Riten zelebrieren können. Genau dies ist wird durch das Recht auf Religionsausübung geschützt. Auf amtliche Bereiche eines säkularen Staates bezieht sich diese Verfassungsgarantie definitiv nicht. Staat und Kirche sind getrennt. Die öffentliche Demonstration von symbolischen Glaubensbotschaften hat in Ämtern keinen legitimen Ort. Als Agnostiker frage ich mich allerdings, warum den Bürgern der alltägliche Anblick islamischer Frauenverhüllungan an allen Orten Deutschlands zugemutet wird - auch in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen oder Ämtern. Dies sind Zeichen einer repressiven mittelalterlichen politischen Theologie und die Provokation eines demokratischen Staates.
Uwe Ranft
03.05.2018 - 21:04
Ich bin selber bekennender ev. Christ, in meiner Gemeinde aktiv und unterrichte Religion - und bin absolut gegen eine solche Verordnung wie die von Söder. Es ist ja wohl ein Witz, dass das Kreuz etwas mit bayerischer Identität zu tun hat - oder dürfen seit Neuestem nur noch Christen, wahrscheinlich nur katholische, in Bayern leben? Wer seinen Glauben leben will, soll und darf das im Rahmen der Gesetze tun; wer in Kirche aktiv sein will, darf das tun; jeder Schüler darf zwischen Religions- und Ethikunterricht wählen - und das ist gut so. Religion als Mittel der Politik - nein danke! Da kann man auch mal dran denken, wie im 3.Reich die Kirchen sich haben instrumentalisieren lassen oder wie der IS den Islam instrumentalisiert. Die Religionsausübung ist durch unseren Staat geschützt - das ist gut so! Aber bitte keine religiösen Symbole in staatlichen Einrichtungen - oder benötigen bayerische Beamte vielleicht doch eine Erleuchtung durch den Heiligen Geist?
Hans-Viktor Hoffmann
03.05.2018 - 21:04
Sehr geehrter Herr Kanther, die Kreuzesinitiative des Herrn Soeder gegen die unbeliebteste Partei bei uns zu instrumentaiisieren halte ich nicht für besonders "prickelnd". Für mich geht es bei diesem Vorgang nicht um das Prinzip der "Trennung", sondern bei uns Liberalen zuerst um Freiheit. Wessen Freiheit wird also durch die Soeder-Initiative bedroht? Das wollen wir uns als Liberale doch einmal präzise und am Fall orientiert anschauen. Verdächtigen ohne Belege können Viele und zwar immer zu unser aller Schaden. Und dann hätte ich noch etwas zur Bedrohung der Freiheit durch den Gebrauch von unkontrollierte Macht (vielleicht von Herrn Soeder?) zu sagen. Aber hier will ich es einmal bei der Erwähnung belassen. Mit beherzten liberalen Grüßen Hans-Viktor Hoffmann

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