FDPDas aktuelle Interview

Wasserstoff hat gegenüber der Batterie Vorteile

Brennstoffzellen sollten in der Mobilität der Zukunft eine wichtige Rolle spielen
10.12.2019

Die Wasserstofftechnik gilt schon seit mehr als drei Jahrzehnten als Technologie der Zukunft. FDP-Präsidiumsmitglied und Sprecher der FDP-Fraktionsvorsitzendenkonferenz, Hans-Ulrich Rülke, ist fest überzeugt, dass sich das schon bald ändern wird. Er hält Autos mit Wasserstoffantrieb für umweltfreundlicher als batterieelektrische und fordert ein Ende des Batterie-Fetischismus. "Wasserstoff hat gegenüber der Batterie Vorteile, die auf der Hand liegen. Insbesondere wenn man über Umweltschäden nachdenkt", sagt Rülke. "Stattdessen laden wir aktuell Batterien mit Kohlestrom, der in Polen erzeugt wird – und lügen uns selber in die Tasche, weil die Europäische Union sagt, der Batteriemotor ist klimaneutral."

"Sie müssen Wasserstoff nicht in Bolivien abbauen wie das Lithium für die E-Batterie, sie brauchen auch kein Kobalt aus Afrika, es gibt keine ungeklärte Entsorgungsfrage wie bei der E-Batterie", verweist Rülke auch darauf, dass das für die Batterie nötige Kobalt in Afrika mit Kinderarbeit gewonnen werde. Zudem seien Kobalt und auch Lithium endliche Rohstoffe. Die Entsorgung großer, giftiger Batterien sei ein ökologisches Desaster. "Die Batteriemobilität hat den ökologischen Fußabdruck eines Elefanten, aber die Politik tut so, als ob es sich um eine Ameise handele." Die FDP werde dies zum zentralen Thema des nächsten Landtagswahlkampfes machen. Bislang seien CDU, Grüne und SPD "auf dem Batterietrip".

Voraussetzung für den Umstieg auf die Wasserstofftechnik sei natürlich der politische Wille, das jetzt voranzubringen. "Und natürlich benötigen wir in der Zwischenzeit weitere Entwicklungen beim Verbrennungsmotor, nämlich die synthetischen Kraftstoffe, um von den fossilen Kraftstoffen wegzukommen", führt Rülke aus. "Dafür brauchen wir auch Veränderungen der Gesetzgebung auf europäischer Ebene. Damit etwa die synthetischen Kraftstoffe beim CO2-Sparen angerechnet werden, was derzeit nicht der Fall ist, da wird nur einseitig die Batterie bevorzugt. Das wäre klimaschützender, als mit der E-Batterie voranzuschreiten."

Stattdessen brauche es eine Mobilitätswende, die umweltfreundlich sei, die eigene Technologieführerschaft erhalte, Arbeitsplätze schütze, den Autofahrern Reichweite bringe und niemanden aus der Mobilität ausgrenze. Diese Forderungen sehen die Liberalen mit einer wasserstoff-basierten Verkehrswende erfüllt.

Auf lange Sicht schließlich schwebt den Liberalen eine umfassende Wasserstoffwirtschaft vor. Dabei wird per Wasser-Elektrolyse mit Strom aus erneuerbaren Quellen "grüner Wasserstoff" erzeugt. Die Themen Verkehr, Wärme und Elektrizität ließen sich damit vernetzen. Wer gemäß dem Pariser Abkommen zur Mitte des Jahrhunderts weitgehend treibhausgas-neutral wirtschaften wolle, müsse jetzt ins Wasserstoff-Zeitalter starten, mahnt die FDP.

 

Kommentare (4)

Bauer René Sebastian
12.12.2019 - 15:21
Das mit dem Wasserstoff hört sich gut an, nur H² ist ein besonderer Stoff. Speicherung und Transport sind keineswegs abschließend geklärt, dementsprechend gibt es auch keine allgemein gültige "Wasserstoff-Lösung". (Flüssig? Gasförmig? Physikalische Bindung? Chemische Bindung?). so ein "Normaler" Drucktank wie bei Erdgas kann es jedenfalls nicht sein.
Claus Eimer
12.12.2019 - 07:48
Auch leider wieder einseitig: die Entsorgung von Fahrzeugakkus ist einfach noch nicht großindustriell und effizient entwickelt, weil der Markt erst in den nächsten 10-20 Jahren entsteht, zumal es sich schon heute abzeichnet, dass Fahrzeugbatterien viel länger halten wie prognostiziert. Und natürlich ist es Quatsch Kohlestrom aus Polen zu importieren und gleichzeitig die Solarförderung auslaufen zu lassen. Aber die Energiequelle ist auch beim Wasserstoff das gleiche Problem: wird er mit Kohlestrom erzeugt, dann besser nicht. Also bitte mal ausgewogen Pros und Cons gegenüber stellen und nicht nur plump dem in Mode gekommenen E-Auto Bashing folgen. So kann auch mal auf die extreme Explosionsgefahr von Wasserstoff hingewiesen werden oder den extremen Investitionsbedarf für eine H2 Tankstelleninfrastruktur. Beides ist noch viel kritischer als die Brandgefahr von batterieelektrischen Fahrzeugen oder weitaus immenser als der Investitionsbedarf für Ladeinfrastruktur.
Wilfried Hauk
11.12.2019 - 21:58
Neben den genannten Nachteilen der Batterie- (Elektro-) Mobilität muss grundsätzlich die Frage gestellt werden, ob dieses Mobilitätskonzept mit einer Stromproduktion aus 80-90 % unsteten Quellen (Sonne/Wind) in Einklang gebracht werden kann. Ich halte diese Kombination ohne aufwendige Strom-Zwischenspeicherung für technisch nicht beherrschbar! Bei Engpässen müssten die Ladestationen als eine der Ersten unterbrochen werden. Der Leidtragende wäre wieder einmal der Kunde.
Herbert Hanselmann
11.12.2019 - 20:40
Herr Rülke sieht nur den schönen Teil der Kette und übersieht die hohen Verluste, die bei der Erzeugung von Wasserstoff aus Strom auftreten. Letztlich werden diese Verluste noch lange durch Fossilstrom ausgeglichen. Dann ist es Essig mit der schönen CO2-Bilanz. Wasserstofferzeugung in der Sahara, das wäre was anderes.

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