FDPBürgerschaftswahl 2020

Mit Anna von Treuenfels wird es eine liberale Stimme in der Bürgerschaft geben

Christian Lindner und Anna von TreuenfelsDie Freien Demokraten haben sich in Hamburg mehr erhofft.
28.02.2020

FDP-Chef Christian Lindner führte das schwache Abschneiden der Liberalen in Hamburg auf eine lange Phase des Kopf-an-Kopf-Rennens zwischen den Oberbürgermeisterkandidaten von SPD und Grünen zurück, auch Thüringen habe eine Rolle gespielt. Spitzenkandidatin Anna von Treuenfels lobte, "dass unsere Partei so zusammengestanden hat. Viele sind nach Hamburg gekommen und haben uns in dieser wirklich nicht sehr einfachen Zeit zur Seite gestanden." Christian Lindner betonte: "Das Engagement, die Charakterstärke, die Überzeugungsstärke unserer Freundinnen und Freunde in Hamburg ist beeindruckend gewesen und dafür will ich mich ganz herzlich in unser aller Namen bedanken." Ein Lichtblick bleibt: Von Treuenfels konnte ein Direktmandat erringen. Das ist der Ausgangspunkt für den nächsten Anlauf.

Hamburg sei schon vor den Ereignissen in Thüringen ein schwieriges Pflaster für die FDP gewesen, hatte Lindner schon am Wahlabend betont. Wegen des zeitweisen Kopf-an-Kopf-Rennens zwischen SPD und Grünen hätten viele potenzielle FDP-Wähler wohl eher SPD gewählt. "Es hatte zwei wirklich starke Gründe, warum das Ergebnis ist, wie es jetzt ist", führte Treuenfels aus: "Erst einmal hatten wir ein Kopf-an-Kopf-Rennen zweier Bürgermeisterkandidaten, was natürlich die kleineren Oppositionsparteien etwas marginalisiert hat. Und als dieses Rennen irgendwie entschieden schien, da tauchte Thüringen auf und das war dann die nächste Hypothek, die wir zu tragen hatten. Und die Tage, die wir Zeit hatten, um das Vertrauen der Bürger zurückzugewinnen, haben nicht ganz ausgereicht."

"Wir bedauern als Bundespartei sehr das unbefriedigende Abschneiden der FDP in Hamburg", sagte auch Lindner. Vor allem vor dem Hintergrund der erschwerten Wahlkampfbedingungen. "Das Engagement, die Charakterstärke, die Überzeugungsstärke unserer Freundinnen und Freunde in Hamburg ist beeindruckend gewesen und dafür will ich mich ganz herzlich in unser aller Namen bedanken", so Lindner am Wahlabend. "Ganz offensichtlich haben die Ereignisse in Thüringen zu einer großen Irritation geführt und deshalb auch dazu beigetragen, dass wir in der Schlussphase nicht haben mehr Menschen von uns überzeugen können", will er Konsequenzen ziehen.

Die Freien Demokraten wollen nun auch die Auseinandersetzung "mit denen suchen, die versuchen, jetzt aus dem Fehler von Erfurt eine grundlegende Veränderung unserer politischen Landschaft herbeizuführen". Erfurt sei ein Anlass, "noch einmal unmissverständlich unsere Positionierung als eine Partei der Mitte zu unterstreichen." Er stellte klar: "Es gibt mit der FDP keine Zusammenarbeit mit der AfD. Auf der anderen Seite aber auch keine Koalition mit der Linkspartei. Wir sehen uns als eine Partei der Mitte. Und das machen wir an politischen Inhalten und auch an den Werten fest, für die wir stehen."

Er kritisierte in diesem Zusammenhang auch den SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, der am Montag erklärt hatte, die FDP sei keine Partei der politischen Mitte. Die Mitte, das sei nur noch Rot und Grün. "Auch das ist eine Verschiebung des politischen Koordinatensystems". so Lindner. Er heize damit die Polarisierung der Gesellschaft an und schade dem Land. Lindner kündigte an, die Arbeiten an einem neu formulierten Leitbild der Partei zu verstärken. Lindner sagte, ökologische Fragen hätten eine größere Bedeutung als vor fünf Jahren. Viele Wähler beschäftige die Frage nach der Sicherung des Wohlstandes und der freiheitlichen Lebensweise. Dazu komme nun aber auch die Frage, wie die Gesellschaft in Zeiten einer zunehmenden Polarisierung zusammengehalten werden könne.

Kommentare (4)

Josef Weyrich
29.02.2020 - 21:16
Meiner Meinung nach hat Hamburg vor allem gezeigt, dass die FDP endlich ein klareres Profil zeigen muss. Hier ein bißchen liberaler, dort ein wenig mehr Marktwirtschaft - das reicht nicht. Wenn Thüringen überhaupt einen Einfluss gehabt haben sollte, dürfen wir ihn nicht als Argument dafür hernehmen, dass wir in Hamburg rausgeflogen sind. Wenn das in einer Stadt wie Hamburg passiert, wird mir für die nächsten Wahlen Angst und Bange. Herr Lindner und Frau Teuteberg müssen endlich unsere Themen klarer setzen. Herr Habeck und Frau Baerbock zeigen, wie es geht. Mit freundlichen liberalen Grüßen Josef Weyrich
Jaser Tadros
27.02.2020 - 20:17
Ich habe es bedauert u.nicht erwartet , dass die FDP ein unbefriedigendes Abschneiden bei der HH-Buergerschaftswahlen erzielte , trotz der intensiven Bemuehungen von Frau Treuenfels u. ihrer Mannschaft . Die Ereignisse von Erfurt haben auch eine grosse Rolle gespielt , indem Herr Thomas Kemmerich die Wahl als Ministerpraesident mit Hilfe der AfD-Stimmen nicht annehmen sollte , bevor er diese in einer FDP-Generalversammlung beraten und diskutieren sollte ,obwohl er weiss ,dass die FDP keine Mehrheit im Thueringer-Landtag hat.Ob er diese aus guter Absicht u.Ruhm tat , hat er das Endresultat nicht richtig kalkuliert u. vielleicht das Ansehen der FDP auf Bundes- und Landesebene Schaden zufuegen koennte .Im November /2021 sind Bundestagswahlen u. hoffentlich hat die FDP bis dahin diese Phasen ueberstanden u.Erneuerungsstrategien erarbeitete . Man haette es gern gesehen , wenn in vielen Bundeslaendern FDP-Ministerpraesidenten sind oder ein Bundeskanzler/in . Und vorwaerts in Zukunft .
Albert Kalle
27.02.2020 - 18:48
Nach meiner Meinung hat Herr Lindner bei der letzten Bundestagswahl kein Rückgrad bewiesen, jeder andere Politiker hätte Frau Merkel die gelbe Karte gezeigt, Genauso hat es sich bei der Wahl in Thüringen verhalten, ich glaube auch hier liegt das Versagen bei Herrn Lindner, Ein Politiker mit Weitblick hätte damit gerechnet, das es bei so einer Wahl Probleme geben kann. Ich bin ein langes FDP Mitglied. Herr Lindner sollte sich an unserer Frau AKK ein Beispiel nehmen, die Frau hat Rückgrad bewiesen. Ob wir in Zukunft nach bei Wahlen dabei sind??????? MfG. Albert Kalle
Dr. Horst Heidsieck
27.02.2020 - 18:19
Sehr geerhte Frau Teuteberg, sehr geerhter Herr Lindner, ist es nicht langsam an der Zeit, dass sich die FDP-Führung ehrlich macht? Als Erklärung für das Desaster in Hamburg führen Sie das ""Kopf-an-Kopf-Rennen" von SPD und Grünen an und die negativen Auswirkungen aus Erfurt. Das mag ja alles sein. Aber warum erhält die FDP in einer im Grunde bürgerlichen Stadt wie Hamburg nur ca. 200.000 Stimmen während die Linke mit 368.471 mehr als 160.000 mehr erhält als die FDP? Das sind 83% mehr als die Stimmen für die FDP!!! Antwort: Bei der Linken weiß der Wähler klar, wofür die Partei steht - bei der FDP leider nicht. Ich wiederhole mich gerne: wenn die FDP-Führung nicht endlich klare Kante gegen die Grünen und ihren diversen nicht-finazierbaren und -reqlisierbaren "Wenden" zeigt, wird unsere Partei sehr schnell in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Mit herzlichen liberalen Grüßen Dr. Horst Heidsieck
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