FDPUkraine-Konflikt

Steinmeier darf sich von Putin nicht einspannen lassen

Alexander Graf LambsdorffAlexander Graf Lambsdorff fordert eine Task Force und Sonderbeauftragte für die Ukraine
20.11.2014 - 11:15

Der russische Präsident Wladimir Putin nutzte offenbar die Differenzen der Regierung in der Russlandpolitik - und lud Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) überraschend zu sich nach Moskau ein. Zuvor hatte schon Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Putin gesprochen und danach vor einem „Flächenbrand“ in der Ukraine gewarnt.  EP-Vize Alexander Graf Lambsdorff meint: "Die Bundesregierung darf sich beim Umgang mit Russland nicht auseinander dividieren lassen. Es ist offensichtlich, dass Präsident Putin versucht, einen Keil in den Westen zu treiben."

Steinmeier solle sich dafür nicht einspannen lassen, genau so wenig wie andere Sozialdemokraten, von Matthias Platzeck bis zu Federica Mogherini, verweist er auf entsprechende Äußerungen der beiden. Der Ex-SPD-Chef hatte den Westen aufgefordert, Russlands Präsidenten Wladimir Putin gewähren zu lassen und die russische Krim-Annexion anzuerkennen.  Die neue EU-Außenbeauftragte Mogherini wiederum hat die EU-Strategie gegen Russland hinterfragt.

Einigkeit ist das stärkste Mittel des Westens

Für Alexander Graf Lambsdorff steht außer Frage: "Solange Russland nicht klar und beweisbar Abstand nimmt von Destabilisierung und Eskalation im Osten der Ukraine, ist Einigkeit das stärkste Mittel des Westens." Der Vizepräsident des Europäischen Parlaments unterstreicht: "Diese darf auch im Dialog mit Russland nicht aufgeweicht werden – zumal bezweifelt werden muss, ob Putin derzeit zu einem ehrlichen Dialog überhaupt bereit ist." In diesem Zusammenhang erinnert er auch daran, dass NATO-Generalsekretär Stoltenberg erst am Montag festgestellt hat, dass Moskau sein Militär an der Grenze zur Ukraine massiv aufrüstet.

Konkrete Maßnahmen zur Stabilisierung der Ukraine

Die Empfehlung des Liberalen lautet daher: "Anstatt sich in der Berliner Koalition über die Russlandpolitik zu zerstreiten, müssen von Europa aus konkrete Maßnahmen zur Stabilisierung der Ukraine ergriffen werden."

Für Lambsdorff sind jetzt vor allem zwei Dinge erforderlich: "Erstens, die Einrichtung einer Task-Force, um technische Hilfe vor Ort zu leisten. Ähnlich wie in Griechenland während der Finanzkrise sollten EU und Mitgliedsstaaten Beamte in die Kiewer Ministerien zur wirksamen Umsetzung des EU-Assoziierungsabkommens entsenden. Zweitens brauchen wir einen EU-Sonderbeauftragten für die Ukraine, um auf politischer Ebene in Kiew dafür zu sorgen, dass innenpolitischer Streit die Bemühungen um Stabilität nicht gefährdet.“

Kommentare (2)

Vinzenz Leutloff
25.11.2014 - 23:28
Sicher muss die Situation besonnen gelöst werden, jedoch kann ich nicht nachvollziehen, dass hier die USA nicht kritisiert werden. Nachweislich wurde Revolutionsführer der Ukraine aus den USA finanziell vor dem Putsch unterstützt. Unmittelbar nach den "Protesten", die zur Flucht des demokratisch gewählten Präsidenten Yanukovych geführt hat, ist herausgekommen, dass etliche der Demonstranten umgerechnet 20 Euro pro Tag erhalten haben. Noch dreister empfinde ich, dass kurze Zeit nach dem Umsturz die USA unverhohlen versucht haben das Gas und Ölgeschäft Russlands mit der Ukraine und Europa zu unterwandern. So überrascht dann nicht, dass z. Bsp. der Sohn von Joe biden, US Vize, VP eines der größten Gasunternehmens der Ukraine geworden ist. Wo kommen wir denn dahin, wenn legitime Demokratien durch fremde Staaten unterwandert werden und sogar vor einem Putsch nicht zurückgeschreckt wird, nur weil eine Nation seine Rohstoffinteressen über alle andere Nationen stellt?
Kai Kochmann
20.11.2014 - 17:47
Gute Analyse von Alexander Graf Lambsdorff: es gilt nun, Besonnenheit mit Konsequenz zu balancieren. Was Platzeck mit seinen Auslassungen ritt, ist mir unbegreiflich. Genscher warnt vor einen neuen, kalten Krieg. Doch haben wir den nicht längst? Ich habe eher Sorge vor einem heissen Krieg. Nicht zwischen D und RUS, aber zwischen RUS und seinen Nachbarstaaten. Daher Besonnenheit und Dialog. Als Konfliktmediator arbeite ich zwar nicht mit Staaten, aber mit Personen in Organisationen. Es gilt aber der gleiche Grundsatz: solange sich Parteien im Dialog befinden, ist die Eskalation unwahrscheinlich. Nur: Dialog heisst nicht, Prinzipien aufgeben und sich "anbiedern", wie es Herr Platzeck vorschlägt. Der gute Mann sollte sich auf Brandenburg beschränken. Die Weltbühne überblickt er offenkundig nicht. Das sieht bei Alexander Graf Lambsdorff ganz anders aus. Ihm und der FDP wünsche ich die internationale Bühne. Denn hier sind Kompetenz und diplomatische Gesprächsführung gut balanciert. KK
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