StiftungRechtsextremismus

Wer mit Neonazis demonstriert, macht sich mit ihnen gemein

Symbolbild: Pegida-Fahnen in Dresden, 2015. Copyright: Metropolico.org, Flickr, CC BY-SA 2.0Symbolbild: Pegida-Fahnen in Dresden, 2015. Copyright: Metropolico.org, Flickr, CC BY-SA 2.0
07.09.2018 - 11:36

Woher kommt der Fremdenhass, der zuletzt bei den rechtsradikalen Ausschreitungen in Chemnitz zu beobachten war? Im Interview mit freiheit.org analysiert Extremismusforscher Matthias Quent die Wurzeln des Problems. "Rassismus kann für Menschen in unterschiedlichen Situationen funktional sein", sagt Quent. "Zum Beispiel für Männer und Frauen, die für ihre Aggressionen, ihre destruktiven Neigungen, ihren Hass oder ihre Langeweile einen Sündenbock suchen, der ihrem irrationalen Zorn angeblich legitime Opfer und eine höhere Bedeutung verleiht." Wer wirtschaftlich benachteiligt sei oder sich ungerecht behandelt fühle, könne Sündenböcken die Schuld für seine Situation geben und sich somit selbst entlasten.

Die Darstellung, dass es sich bei den Demonstranten lediglich um "besorgte Bürger" handele, weist der Extremismusforscher zurück. "Besorgt sein und rechtsextrem sein schließt sich nicht aus", stellt er klar. Sorgen, ob objektiv begründet oder nicht, könnten dazu führen, dass Menschen sich rechtsextremen Weltbildern und Bewegungen anschließen würden. "In Chemnitz gab es auch Bürger, die trauern wollten, aber sich nicht der rechtsradikalen Demonstration angeschlossen haben, als sie sahen, welche Kräfte dort zusammenkamen", hebt Quent hervor. "Es ist also eine bewusste Entscheidung jedes Einzelnen. Meiner Ansicht nach gilt: Wer mit Neonazis und Rassisten demonstriert, macht sich mit ihnen gemein." Die Analyse und Erklärung von Ursachen dürfe nicht verwechselt werden mit der Rechtfertigung des Rechtsextremismus, mahnt er.

Nun brauche es ein entschlosseneres Vorgehen gegen Extremismus. Es mangele zwar nicht an Strategien, aber an ihrer Umsetzung und vor allem an der Institutionalisierung in den Bereichen Prävention, Intervention und Repression, hält Quent fest. "Auch in Sachsen gibt es ein Landesprogramm, welches Projekte gegen Rechtsextremismus finanziell fördert. Aber den Projekten fehlt häufig der Rückhalt in den Verwaltungen und in der Politik sowie der Zugang in staatliche Regelstrukturen, die sich ändern müssen, um dem Rechtsextremismus mehr entgegenzusetzen", betont er. "Antirassismus als Staatsauftrag zu verankern wäre gerade auch in Sachsen ein wichtiger Schritt." Auch Stiftungen und die politische Bildungsarbeit könnten bei der Prävention und bei der Stärkung von demokratischen Werten eine wichtige Rolle spielen . (ch)

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