FDPEnergiepolitik

Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit zusammen denken

Die Freien Demokraten wollen eine Balance zwischen Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit schaffenDie Freien Demokraten wollen eine Balance zwischen Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit schaffen
07.11.2017 - 15:42

Die Welt blickt mit Spannung auf die Bonner Weltklimakonferenz, auch in den laufenden Jamaika-Sondierungsgesprächen gibt es bei der Klimastrategie noch ein bisschen Gesprächsbedarf. "Wir werden weiter Zweifel anmelden an der physikalischen Machbarkeit grüner Energiepolitik. Denn es ist nichts gewonnen, wenn wir Kohlekraftwerke in Deutschland abschalten, um anschließend Kohlestrom aus Polen zu importieren oder Kernenergie aus Frankreich", sagt FDP-Chef Christian Lindner im Gespräch mit der Funke Mediengruppe. Die Grünen müssten Vorschläge liefern, die in der Praxis auch umsetzbar wären. Die FDP bekenne sich zum Pariser Klimaschutzabkommen, das das Jahr 2030 in den Blick nehme. Den Alleingang Deutschlands mit deutlich ehrgeizigerem Tempo sieht sie hingegen kritisch.

"Wenn wir jetzt das Jahr 2020 in den Blick nehmen, da sind die Ziele so ehrgeizig, dass bei gleichzeitigem Verzicht auf die Kernenergie in Deutschland Strukturbrüche drohen würden, ohne dass es etwas Positives für das Weltklima bewirkt", erklärt Lindner im Interview mit Berlin direkt. "Eine solche Politik hielte ich nicht für verantwortbar."

Dem schließt sich FDP-Generalsekretärin Nicola Beer an. "Auch wir als Freie Demokraten wollen Klima schützen, wir wollen saubere Luft, sauberes Wasser. Nur, man muss dabei die physikalischen Grundlagen beachten", betonte sie im N24-Interview mit Blick auf die rein deutschen Klimaziele, die weit über die Zielvorgaben des Pariser Abkommens hinausgehen. "Wenn die physikalisch nicht erreicht werden können, weil man eben nicht gleichzeitig aus Atomenergie und Kohle aussteigen kann, dann sollten wir uns lieber einen anderen Pfad des Abbaus suchen."

Die Versorgungssicherheit muss gewährleistet werden

Der Kohleausstieg werde auch weiter vorangehen, aber die Vorstellung der Grünen zum Tempo dieser Entwicklung sehe die FDP als unrealistisch, erläutert FDP-Präsidiumsmitglied Hermann Otto Solms im Phoenix-Tagesgespräch. "Die FDP ist für so viel Verzicht auf Kohleverstromung wie möglich, aber gleichzeitig für so viel Versorgungssicherheit wie nötig", betont er. Wirtschaft und Verbraucher müssten verlässlich versorgt werden, auch an Tagen, an denen der Wind nicht wehe und die Sonne nicht scheine. "Bei der Windenergie hat die Bundesregierung beim Ausbau der Netze und der Speichermöglichkeiten völlig versagt", kritisiert Solms.

Die Folgen der bisherigen Energiepolitik sind für FDP-Bundestagsfraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff eindeutig. "Die Kosten, die wir in Deutschland uns aufbürden, um eine Tonne CO2-Ausstoß zu vermeiden, sind die höchsten der Welt", unterstreicht er im Interview mit dem Deutschlandfunk. "Wir sagen als Freie Demokraten: Es ist viel sinnvoller, dass wir bei uns optimieren. Nehmen wir mal das Kohlekraftwerk in Datteln. Da steht ein hochmodernes Kraftwerk, ein ganz nagelneuer Block und vier alte. Wir können die vier alten zumachen und den neuen ans Netz nehmen." Dies wäre dann kein Ausstieg aus der Kohle, sondern eine Optimierung, hebt er hervor.

Es gehe letztendlich um die Zukunft der deutschen Industrie, macht Lambsdorff klar. "Es gibt energieintensive Betriebe, die sind grundlastabhängig. Das heißt, die brauchen eine permanente, verlässliche, sichere Stromversorgung", verdeutlicht er. "Da darf es keine Ausfälle geben, sonst gehen ganze Prozesse kaputt. Da hängen Hunderttausende von Arbeitsplätzen dran." Die FDP wolle eine Balance schaffen, "zwischen Fortschritten beim Klimaschutz und einer wettbewerbsfähigen deutschen Industrie, gleichzeitig den Klimaschutz aber auch global denken und den Blick hier weiten". Entscheidend sei die Zwei-Grad-Zielsetzung, das Ziel der Pariser Klimakonferenz 2050. Es gelte, einen Pfad dorthin zu entwickeln, "ohne auf dem Weg zum besseren Klimaschutz die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit einzubüßen", fordert er.

Kommentare (11)

Brigitte Schrammeck
12.11.2017 - 11:33
Sehr gut - diese Position und die Bewertung der Gesamtkosten für die Stromerzeugung sind richtig. Als die ersten Atomkraftwerke ans Netz gingen, wurde die Frage der Entsorgung in weite Ferne geschoben und bis heute nicht gelöst. Genau so ist es jetzt mit der Frage der Entsorgung der Auto- Batterien in Zukunft. Auch diese Frage wird verschoben (irgendwie kriegen wir das schon hin !). Ein anderes Thema, das mir am Herzen liegt : Die Diskussion um das Finanzresort ist gelinde gesagt nicht gut. Das Außenministerium ( FDP Linie) besetzen mit einem herausragenden Europapolitiker - Graf Lambsdorff - das hätte Format ! Er könnte in die Genscherschen Fußstapfen treten ! Weiter eine gute Arbeit zu unserem Wohle - und haltet durch !
Brigitte Schrammeck
12.11.2017 - 11:32
Sehr gut - diese Position und die Bewertung der Gesamtkosten für die Stromerzeugung sind richtig. Als die ersten Atomkraftwerke ans Netz gingen, wurde die Frage der Entsorgung in weite Ferne geschoben und bis heute nicht gelöst. Genau so ist es jetzt mit der Frage der Entsorgung der Auto- Batterien in Zukunft. Auch diese Frage wird verschoben (irgendwie kriegen wir das schon hin !). Ein anderes Thema, das mir am Herzen liegt : Die Diskussion um das Finanzresort ist gelinde gesagt nicht gut. Das Außenministerium ( FDP Linie) besetzen mit einem herausragenden Europapolitiker - Graf Lambsdorff - das hätte Format ! Er könnte in die Genscherschen Fußstapfen treten ! Weiter eine gute Arbeit zu unserem Wohle - und haltet durch !
Peter Kaiser
10.11.2017 - 09:20
Warum wird nicht realistisch vorgerechnet, wieviel elektrische Energie mehr benötigt wird, wenn die E-Mobilität eingeführt wird. Ausgangspunkt ist die heute jährlich zurückgelegte Kilometerzahl aller Kfz. Daraus kann man leicht den Durchschnittsverbrauch aller E-Fahrzeuge errechnen, wenn man ungeschönte Verbrauchswerte bei normaler Fahrweise zugrunde legt. Es ist leicht feststellbar, dass der Verbrauch an elektrischer Energie schon mit dem heutigen Bestand an Kraftwerken nicht zu decken ist. Die Herstellerangaben über den Energieverbrauch müssen nach den Tests unabhängiger Prüfer wie ADAC entsprechend korrigiert werden. Alle erforderlichen Daten sind statistisch erfasst und können leicht gefunden werden. Erst danach kann über eine Reduzierung der Kohle- und Kernkraftwerke gesprochen werden. Macht Fakten und keine Faxen!
Christian Johannsen
08.11.2017 - 19:15
Auch wenn es vielen schwer fällt sich von liebgewordenen Feindbildern zu verabschieden, aberdas EEG ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte! Ganz im Sinne des Verursacherprinzips - einem Eckpfeiler liberaler Ordnungspolitik - steht im Mittelpunkt des EEG nicht ein Subventionseffekt, sondern die konsequente Internalisierung externer Kosten. Damit hat das EEG einen unglaublichen Innovationsschub und technischen Fortschritt ausgelöst, welcher enorme Kostensenkungen (z.B. bei Photovoltaik-Strom von ca. 91 %) überhaupt erst ermöglicht hat. Im Ergebnis sind Wind- und PV-Strom bereits heute mit Vollkosten von ca. 4 - 4,5 Cent/kWh die absolut günstigsten Formen der Stromerzeugung überhaupt und damit weitaus kostengünstiger als bspw. Kohlestrom mit Vollkosten von ca. 8-10 Cent. Die Forderung, das EEG abzuschaffen, zeugt von einem tiefen Unverständnis energiepolitischer Zusammenhänge und steht im krassen Gegensatz zu urliberalen Grundsätzen der Wirtschafts- und Wettbewerbspolitik.
Deubner Helmut
08.11.2017 - 18:47
Die Speicherproblematik wegen der überhöhten installierten Leistung Windkraft ist ein von Anfang an bekannter Krebsschaden der Erneuerbaren. Mit reinen Stromspeichern wie Batterien und Pumpspeicher ist das Problem Speicher nicht zu lösen. Es bedarf einer Speicherung in allen technisch und ökonomisch sowie ökologischen (wird immer vergessen ) möglichen Energieformen wie Wärme, Kälte. Druck u.a.oder gar Umwandlung in lagerfähige Gase oder energiereiche flüssige Treibstoffe. Nur so kann das Problem der Speicherung der gewonnenen erneuerbaren Energie in Zukunft beherrscht werden. Reine Stromspeicher wie Pumpspeicher und Batterien um jeden Preis ist der falsche Weg. Eine technische-technologische Vielfalt von Energiespeicher sind der Weg in die Zukunft.
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